Die Affäre Crainquebille

von Frank-Rainer Schurich Es ist wohl eine Binsenweisheit, dass dichterische Kraft einer genauen Kenntnis der Zeitumstände entspringt. Was will der Dichter? Das bestehende Bild von der Wirklichkeit überschreiten, Neues in ihr sehen und erkennen, auf Missstände in der Gesellschaft aufmerksam machen und, falls erforderlich, die Leser wachrütteln. Die Meistererzählung „Die Affäre Crainquebille“ von Anatole France… Die Affäre Crainquebille weiterlesen

Die Brille, kriminalistisch gesehen

von Frank-Rainer Schurich Will man der Historie glauben, geht das Wort „Brille“ auf den Namen des optisch vergrößernden, glashellen Halbedelsteins Beryll zurück, aus dem um 1300 in Oberitalien die ersten Augengläser geschliffen wurden. Eine segensreiche Erfindung! Sebastian Brant: Das Narrenschiff, Paris 1497. SLUB Dresden/Inkun. 4114.2 Das Geheimnis einer Brille in Bezug auf die Kriminalistik liegt… Die Brille, kriminalistisch gesehen weiterlesen

Heine im Eichsfeld. Über ein Gedicht von Harald Gerlach

von Ulrich Kaufmann I. Wer heute das Storm-Museum in Heiligenstadt besucht, wird am Eingang des Heine-Zimmers eine gerahmte Originalhandschrift des Dichters Harald Gerlach (1940-2001) finden. Harald Gerlach: Heine im Eichsfeld. Autograph im Literaturmuseum „Theodor Storm“ Heilbad Heiligenstadt Die ehemalige Museumsleiterin Antonia Günther, die bis 1980 im Aufbau-Verlag Berlin und Weimar tätig war, hatte den Poeten… Heine im Eichsfeld. Über ein Gedicht von Harald Gerlach weiterlesen

Zeitunglesen mit Jean Paul oder Wie findet man die Wahrheit?

Auch den Begriff „Hundposttage“ muss man wörtlich nehmen. Jean Paul mit seinem Pudel Ponto 1819. Scherenschnitt von Luise Duttenhofer Alfred Kerr beschwört in seinen „Briefen aus Berlin“ am 21. August 1898, von der „lange schweigenden Erinnerung“ verzaubert, ein Jahre vergangenes Lektüreerlebnis und greift aus dem Bücherregal „das zerrissene, zerlesene, mit Bleistiftzeichnungen bedeckte“ Bändchen heraus: „…… Zeitunglesen mit Jean Paul oder Wie findet man die Wahrheit? weiterlesen

Die Illuminierten oder Wem’s der Herr gegeben

von Heinz Jakubowski Ernst Barlach: Der Zweifler (1937). Foto: Wolfgang Brauer/2005 Ach nein, sich als Erleuchteten zu bezeichnen fiele ihm sicher nicht ein, er mochte keine Definitionen für das, was er allerdings aber doch wirklich war. Die Bezeichnung eines Sehers hätte er dagegen eher, wenn auch nicht ohne Augenzwinkern, akzeptiert. Denn es half ja alles… Die Illuminierten oder Wem’s der Herr gegeben weiterlesen

Fundbüro. Vermischtes aus meinem Tagebuch 2020/2021

von Erhard Weinholz Werbung in der U-Bahn: Im Stillen Gutes tun. Nanu, wer will uns etwas abverlangen, was wir ohnehin schon tun? Der Verfassungsschutz! Er sucht auf diese Weise nach Mitarbeitern. Ausweis schlechten Geschmacks: Zum Rendezvous mit einem Strauß Kunstblumen erscheinen. Obwohl … man kann ja sagen: zur immerwährenden Erinnerung. Werbetext, Ort vergessen: Schulze bringt’s.… Fundbüro. Vermischtes aus meinem Tagebuch 2020/2021 weiterlesen

Joachim Seyppels „Umwege nach Haus“

von Holger Politt Ende Oktober 1978 trifft der Unteroffizier in Ludwigsfelde ein, soeben hat er auf Rügen die erforderliche Ausbildung an sowjetischer Nachrichtentechnik absolviert, um nun in der Nachrichteneinheit den Dienst in der Werkstattkompanie anzutreten. Im spärlichen Reisegepäck befindet sich ein größeres Transistorradio, der Liebhaber guter Rockmusik freut sich insgeheim auf Sender wie RIAS oder… Joachim Seyppels „Umwege nach Haus“ weiterlesen

Perspektiven für das Kurt-Schwaen-Archiv

von Katrin Bicher (Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden [SLUB] Das Haus Wacholderheide 31 in Berlin-Mahlsdorf beherbergt einen Schatz: den kompletten und wohlgeordneten künstlerischen und publizistischen Nachlass des Komponisten Kurt Schwaen (1909-2007). In wenigen Jahren hatte die Ehefrau des Künstlers, Dr. Ina Iske-Schwaen, es geschafft, ein lebendiges Komponistenarchiv aufzubauen, das nicht nur die materiellen… Perspektiven für das Kurt-Schwaen-Archiv weiterlesen

O Tannenbaum! Kriminelles um den Weihnachtsbaum

von Wolfgang Brauer Seit der Berliner Kammergerichtsrat Ernst Theodor Amadeus Hoffmann 1816 seine Geschichte vom „Nußknacker und Mausekönig“ veröffentlicht hatte, wissen alle, dass in Berlin natürlich auch der Weihnachtsbaum erfunden wurde. Gleichsam zum Beweis haben wir inzwischen auf beinahe jedem Vorderhof und jedem zweiten Hinterhof einen Markt mit „Boom“. Dass Goethes Charlotte („Die Leiden des… O Tannenbaum! Kriminelles um den Weihnachtsbaum weiterlesen

Ein bitterböser Bericht

von Thomas Liebe Das schmale Bändchen beginnt mit der Erfindung eines Erzählanlasses: Die Ich-Erzählerin habe, so liest man, Tagebuchaufzeichnungen einer Freundin erhalten. Ein Wunsch dieser Frau sei es gewesen, das Geschilderte zu „verfremden“, indem man es in ein „abgelegenes Fachgebiet“ verlagert. Das Ganze solle an einer beliebigen deutschen Universität verortet werden, verrät uns die Ich-Erzählerin.… Ein bitterböser Bericht weiterlesen

Erinnerungen an Bettina Olbrich

von Ulrich Kaufmann Bettina Olbrich mit Harald Gerlach. Foto: Annegret Gerlach Am 28. Oktober 2024 starb die Theaterdramaturgin Bettina Olbrich nach langer, schwerer Krankheit im Alter von 68 Jahren. Geboren wurde sie 1956 in Burg (Spreewald). Bis zu ihrem letzten Lebenstag tat sie alles, um den schriftstellerischen Nachlass ihres Mannes Harald Gerlach zu sichten und… Erinnerungen an Bettina Olbrich weiterlesen

Short people

von Heinz Jakubowski Paul Klee: Der schimpfende Kaiser Wilhelm (1920). Foto: W. Brauer Ich weiß sehr wohl, dass diese Feststellung nicht auf jeden Einzelfall zutrifft – aber in einem Umfang, der dem Repräsentativen durchaus nahekommt, lässt sich als mitmenschlicher Erfahrungswert denn doch feststellen, dass kleine Menschen ein besonderes Bedürfnis haben, ihre geringere Körpergröße durch ideelle… Short people weiterlesen

„Patriotismus ist Sklaverei“

Diese lakonische Aussage stammt aus dem großen Essay „Patriotismus und Christentum“, den der wohl bedeutendste russische Schriftsteller, Lew Tolstoi, 1894 veröffentlichte. In Russland konnte das Buch seinerzeit nicht erscheinen. Tolstois zunehmend kompromisslos werdender Pazifismus passte in der Zeit sich heiß laufender imperialistischer Gewaltpolitik der Großmächte den Herren dieser Länder mitnichten in den Kram. Das hat… „Patriotismus ist Sklaverei“ weiterlesen

Lupe her! Eine Betrachtung des Sammelns und meiner Sammlungen

von Erhard Weinholz Das Unvermeidliche zuerst: Sammler sind glückliche Menschen, soll Goethe einst geäußert haben, doch wo und wann, weiß niemand, so dass die Zuschreibung wohl als Fabel gelten muss. Ich habe zudem noch nie jemanden gefunden, der Goethe, Goethen, wie man vor zwei Jahrhunderten zu sagen pflegte, diese Äußerung tatsächlich in den Mund gelegt… Lupe her! Eine Betrachtung des Sammelns und meiner Sammlungen weiterlesen

„Wir waren keine Helden“ – Lisa Fittko. Biografie einer Heldin

von Heinz Jakubowski Fluchthilfe in unseren Tagen hat – leider zurecht – einen pejorativen Beigeschmack, geht es bei ihr doch in der Regel um die „Rettung“ Flüchtender aus ausschließlich profitorientierten und also inhumanen Motiven . Ein nun erschienenes Buch erinnert indes an eine ganz anders geartete Fluchthilfe, die in der zweiten Hälfte der 1930er-Jahre zahlreichen… „Wir waren keine Helden“ – Lisa Fittko. Biografie einer Heldin weiterlesen