Von der Notwendigkeit des Erinnerns

von Axel Matthies Ich bin, soweit ich mich erinnere, Hans Kaufmann nie persönlich begegnet. Ich habe ihn in keinem Filmbeitrag gesehen, seine Stimme nie gehört, und vielleicht nicht einmal ein Foto betrachtet. Selbst heute, wo man im Internet nahezu alles findet, ist sein Name selten aufzuspüren. Ich habe ihn in den 1970er Jahren entdeckt; das… Von der Notwendigkeit des Erinnerns weiterlesen

Goethe – Heine – Brecht – Braun. Hans Kaufmann zum 100. Geburtstag

von Ulrich Kaufmann Als Sohn eines Dienstmädchens und eines Textilzeichners wurde Hans Kaufmann am letzten Märztag des Jahres 1926 in Berlin geboren. Er stammt aus einer sozialdemokratisch geprägten, kulturinteressierten Familie. Die Eltern standen im Kampf gegen Hitler. Vater Georg erlebte noch den Redner Karl Liebknecht, er selbst nahm 1946 am Vereinigungsparteitag teil. Seine Ehefrau Minna… Goethe – Heine – Brecht – Braun. Hans Kaufmann zum 100. Geburtstag weiterlesen

James Cook im Zwielicht

von Wolfgang Brauer Vor mir liegt eine Karte des Pazifischen Ozeans, der größten Wasserfläche unseres Planeten. Er deckt rund 35 % der gesamten Erdoberfläche ab. Das sind Ausmaße, die eigentlich das menschliche Fassungsvermögen übersteigen. Auch mein Atlas scheitert an der präzisen Darstellung dieser Dimensionen. Die Karten wurden immerhin in Australien gezeichnet, mithin von Geografen, die… James Cook im Zwielicht weiterlesen

Ein Schlussakkord: Womacka in Marzahn

von Wolfgang Brauer Berlin-Marzahn als kunstfreundlicher Ort? Vielen wird schon diese Frage als Unding an sich erscheinen. Dabei legte eine Arbeitsgruppe des Verbandes bildender Künstler der DDR noch vor dem Beginn der ersten Tiefbauarbeiten (3. März 1975 an der heutigen Allee der Kosmonauten in Höhe des heutigen S-Bahnhofes Springpfuhl) am 10. Februar 1975 eine „Rahmenkonzeption… Ein Schlussakkord: Womacka in Marzahn weiterlesen

Deutscher Selbstbegriff heute

von Stephan Wohanka Man muß wissen, daß der Zustand eines Volkesvon dem Begriff abhängt, den es von sich hat.Johann Gottlieb Fichte Fichte betont in seinen „Reden an die deutsche Nation“ (1807/08) den geistigen Selbstbegriff eines Volkes als entscheidenden Faktor für dessen politische, kulturelle und moralische Verfassung. Wie steht es um Selbstbegriff des deutschen Volkes heute?… Deutscher Selbstbegriff heute weiterlesen

„Vom Grabe Lassalles“

von Holger Politt Vom 22. Juli 1917 bis zum 8. November 1918 war Rosa Luxemburg im Strafgefängnis in Breslau inhaftiert. In der sogenannten militärischen Schutzhaft – sie war keine Strafgefangene, ihr wurde aller drei Monate ein weiterer Haftbefehl zugestellt – kam sie an der einen oder anderen Stelle zu kleinen Erleichterungen, die helfen konnten, die… „Vom Grabe Lassalles“ weiterlesen

Straße und Tribüne. Bilder vom 4. November

von Erhard Weinholz Die große Demonstration vom 4. November 1989 gehört zu den Ereignissen, auf die man bei Erkundungen der DDR-Geschichte und insbesondere des Verlaufs der 1989er Herbstrevolution unabhängig vom Kalendarischen immer wieder zurückkommt. Sie ist auch gut dokumentiert, zum Glück, denn auf die Erinnerungen der Zeitzeugen ist heute kein Verlass mehr. Als wir vor… Straße und Tribüne. Bilder vom 4. November weiterlesen

„Man kann die Zeiger einer Uhr anhalten, nicht die Zeit selbst“

Vor 50 starb der Schriftsteller, Sachbuchautor, und Anwalt für die Gerechtigkeit Frank Arnau. Nach den gängigen bundesrepublikanischen Lexika war Arnau Publizist und Schriftsteller, der insbesondere durch Kriminalromane und Novellen bekannt wurde. Das ist nicht einmal die halbe Wahrheit. Er hat ein Zeitalter besichtigt. von Frank-Rainer Schurich Frank Arnau um 1974. Foto: Archiv Schurich Die Sicht… „Man kann die Zeiger einer Uhr anhalten, nicht die Zeit selbst“ weiterlesen

Entlang der Mauer von Bernau

von Wolfgang Brauer Die mittelalterliche Stadt grenzte sich deutlich gegen ihre ländliche Umgebung ab. Dabei spielte es keine Rolle, ob es sich um eine Freie Reichsstadt wie das altehrwürdige Köln am Rhein – lange die bevölkerungsreichste Stadt des Reiches – oder das im heutigen Landkreis Märkisch-Oderland gelegene Ackerbürgerstädtchen Altlandsberg handelt, das im 15. Jahrhundert keine… Entlang der Mauer von Bernau weiterlesen

Erlesenes – ein bayerischer Dichter, Fememorde und Juden in der Linken

von Wolfgang Brauer Oskar Maria Graf (1894-1967) gehört zu den großen deutschen Erzählern des 20. Jahrhunderts. Manche stecken ihn, der seine bajuwarischen Prägungen zeitlebens nie verleugnete – sie sind für seinen Erzählstil essentiell –, in die Schublade der Voralpentümelei. Da gehört er nicht hin. Und Graf mit Ludwig Thoma zu vergleichen, verbietet sich angesichts der… Erlesenes – ein bayerischer Dichter, Fememorde und Juden in der Linken weiterlesen

Neue Ordnung und das Recht

von Stephan Wohanka Seit der Finanzkrise vor mehr als 15 Jahren erschüttern „multiple“ Krisen die Welt oder zumindest die Gesellschaften des liberalen Kapitalismus; eine reiht sich an die andere – Klimawandel, Pandemie, autokratisch-autoritäre Tendenzen, Ohnmacht der Regierbarkeit, soziale Deregulierung der Wirtschaft, Desinformation, Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten…. . Sind das nur zufällig… Neue Ordnung und das Recht weiterlesen

Auf Müntzers Spuren

von Wolfgang Brauer Ich gebe zu, ich bin ein voreingenommener Müntzeraner. Das geht wahrscheinlich auf eine doppelte biografische Prägung zurück. Manche Kindheitserlebnisse erweisen sich später als nachhaltig. So mein erster Besuch des Schlosses Wernigerode irgendwann in den frühen 1960er Jahren. Das seinerzeit in den Räumen des im späten 19. Jahrhundert historistisch umgemodelten Baues installierte Museum… Auf Müntzers Spuren weiterlesen

Auf der Schwelle zur Schönen neuen Welt

„Denn das Schöne ist nichts als desSchrecklichen Anfang…“Rainer Maria Rilke – erste Duineser Elegie von Heinz W. Konrad Hans Vaihinger, ein deutscher Philosoph, hat vor über hundert Jahren eine „Philosophie des Als ob“ entwickelt. Sie ist ebenso kompliziert wie umstritten, was aber hier nur angemerkt sein soll. „Es geht um jene eine Form des gesellschaftlichen… Auf der Schwelle zur Schönen neuen Welt weiterlesen

Nachdenken über die christliche Wahrheit

von Stephan Wohanka Obwohl getauft und konfirmiert gehöre ich keiner christlichen Religionsgemeinschaft an. Trotzdem gehe ich ab und an in die Kirche, so auch kürzlich anlässlich einer Taufe. Eine überengagierte Pfarrerin hielt einen Gottesdienst, der mir schnell sehr klar machte, dass ich gut daran tue, nicht der Institution Kirche anzugehören. Sie malte das Bild einer… Nachdenken über die christliche Wahrheit weiterlesen

Ein sadistischer Frauenmörder

von Frank-Rainer Schurich Roswitha W., Studentin der Physik an der Technischen Universität (TU) in Dresden im 4. Studienjahr, wollte am 9. November 1973, an einem Freitag, zu ihren Eltern nach Kleinmachnow fahren. Sie kam dort nie an. Die Mutter erstattete am 17. November beim Volkspolizei-Kreisamt (VPKA) Potsdam, Abteilung Kriminalpolizei, eine Vermisstenanzeige. Ihre Tochter hatte ihr… Ein sadistischer Frauenmörder weiterlesen