von Erhard Weinholz
Das Unvermeidliche zuerst: Sammler sind glückliche Menschen, soll Goethe einst geäußert haben, doch wo und wann, weiß niemand, so dass die Zuschreibung wohl als Fabel gelten muss. Ich habe zudem noch nie jemanden gefunden, der Goethe, Goethen, wie man vor zwei Jahrhunderten zu sagen pflegte, diese Äußerung tatsächlich in den Mund gelegt hätte, und so ist die Behauptung, es würde behauptet werden, Goethe habe einst behauptet …, wohl ebenso fabulös. Doch egal, der Satz ist treffend und passt somit zu ihm als Autor wie als Sammler von Rang. Ob er all das, was mich angesprochen hat, für sammelwürdig gehalten hätte, sei dahingestellt, jedenfalls habe auch ich in Schränken und Schüben, in Heftern und Mappen manches bewahrt, das ich gelegentlich, wie zur Bestätigung dieses Wortes, aufmerksam und oft sogar mit Vergnügen betrachte.
Etwas warum auch immer zu bewahren ist keinesfalls selbstverständlich. Dazu ließe sich nun vieles sagen, wie sich ja überhaupt zu fast allem viel sagen lässt, und eben deshalb verzichte ich darauf. Vorab, also ehe ich auf einige meiner gut vierzig Sammlungen aller Art zu sprechen komme, will ich nur zu klären versuchen, was denn unter einer Sammlung und einem Sammler zu verstehen ist. Gehört schon dazu, wer im Wald seinen Korb mit Pilzen füllt? Keinesfalls, denn er bewahrt nicht auf, was er heimbringt, Pilze soll man rasch verbrauchen. Sammlerglück genießt aber auch er, wenn er im Moos die Pfifferlinge aufspürt und an entlegenen Wegesrändern den Steinpilz und die Fette Henne.
Auch die Lumpensammler – gesehen habe ich schon lange keinen mehr –, gehören nicht zu den besseren Sammlerkreisen: Sie sind nur Zwischenhändler. Einst, als sie noch mit geschultertem Sack herumzogen, hatten Kinder ihnen hinterhergesungen Lumpen, Knochen, Flaschen und Papier, ausgeschlag’ne Zähne sammeln wir. Der Altstoffsammler, der in den fünfziger Jahren bei uns am Brandenburger Stahlwerk unterwegs war, kam mit dem Pferdefuhrwerk, und wir Kinder sangen ihm nichts mehr hinterher, sondern freuten uns, wenn er in der Nähe Halt machte. Geld bekamen wir zwar nicht für die Dinge, die wir ihm auf den Wagen reichten, aber etwas, das wir sammeln konnten: kleine elfenbeinfarbene Plastefiguren, Elefanten, Kamele, Palmen, alle im beidseitigen Flachrelief und mit einer schmalen Grundplatte, so dass man sie aufstellen konnte. Wo sind sie geblieben? Und wohin sind unsere Lineoltiere verschwunden, Produkte einer Brandenburger Firma, das Nilpferd, in dessen Rachen man den kleinen Finger stecken konnte, das Dromedar mit den lädierten Beinen, der schmuddelige Dachs, der Pfau, der sein Gefieder zeigt …? Es ist mir zu spät eingefallen, sie zu retten.
Mein Großvater väterlicherseits las bei seinen Gängen durch die einstige Chur- und Hauptstadt alte Schrauben, Muttern und Werkzeuge auf, sein Keller war voll davon. Ein paar solcher Werkzeuge liegen auch in meiner Vertikoschublade: Einen kleinen Hammer habe ich, dessen Stiel sich nach unten verjüngt; dem Kopf ist etwas eingeprägt … Lupe her … man könnte auch Lupen sammeln, meine stammt von einer Großtante väterlicherseits, ist aus Plaste und trägt die Inschrift GEBR. HARTMANN Druckfarben Fabriken HALLE-Ammendorf … eine 8 und die Buchstaben A. v. B. kann ich erkennen, der Rest bleibt unleserlich. A. v. B.: August v. Borsig? Das Ganze hat etwas Elegantes an sich. Dann einen Schraubenzieher, der hölzerne Griff von schwer zu beschreibender geschwungener Form, und einen Schraubenschlüssel der Firma Komet – in flotter Schreibschrift steht der Name auf dem Stahl, es ist der Stil der zwanziger Jahre. Anscheinend habe ich eine Sammlung mehr als gedacht. Sammlungen können nämlich, das habe ich mehr als einmal bemerkt, gleichsam spontan entstehen, es müssen nur mindestens drei Dinge zusammengekommen sein, die zusammengehören. Das ist hier der Fall, doch liegen die Drei noch nicht gemeinsam am gleichen Ort. Wichtiger aber ist der Blick auf die Dinge: Mein Großvater hat die Schrauben, Schlüssel usw. allein deshalb eingesteckt, weil er meinte, man könne sie noch brauchen. Doch mit guten, gemeinnützigen Absichten hat wahres Sammeln nichts zu tun; es ist dazu da, uns Vergnügen zu bereiten, Vergnügen am Schönen, am Abseitigen, vielleicht gar am Schaurigen, auf alle Fälle am Gestalteten oder Geformten. Mit dieser Zwecksetzung könnte es zusammenhängen, dass sich ihm vor allem Männer widmen.
Praktisch nutzbar sein kann das Gesammelte aber dennoch, und da solche Nutzung nicht entweiht, löffele ich meine Linsen- oder Kartoffelsuppe mal aus diesem, mal aus jenem meiner sechs tiefen Teller, von denen keiner dem anderen gleicht. Der schönste von ihnen ist fast dreißig Zentimeter breit, seinen Rand ziert Goldmalerei: ein gallischer Hahn, der auf der Brust ein Schild mit den Buchstaben RF trägt. Ein Blick auf die Unterseite erschließt den Sinn: In kleiner roter Schrift ist hier MINISTÈRE AFFAIRES ETRANGÈRES zu lesen. Gerade in diesem Ministerium wird viel getafelt worden sein, und immer von Porzellan, das vom Feinsten war – im grünen Dreieck neben der Schriftzeile steht über der Jahreszahl 1903 ein S, Kürzel für Sèvres. Irgendwann aber bekam das wertvolle Stück einen Sprung, wurde ausgemustert, geriet zuletzt auf einen Berliner Flohmarkt, und dort habe ich es entdeckt. Wer weiß, wohin es noch gelangen wird, bis es eines Tages zerbricht: Kein Porzellan hält ewig.
Das Entdecken ist die erste, vielleicht auch intensivste Freude des Sammlers. Manchmal denke ich daran, was Howard Carter wohl empfunden haben mag, als er durch eine kleine Öffnung das erste Mal in die Grabkammer des Tut Ench-Amun schauen konnte; ich glaube, es ist kaum zu überbieten. Einige Male habe aber auch ich, innerlich wenigstens, bei einem Fund gejauchzt. In Perleberg zum Beispiel fand ich eines Tages in der Bücherstube des Bürgervereins – breites Angebot, niedrige Preise – Aber die Schöpfung soll dauern, den letzten Gedichtband Franz Fühmanns, und zwar, wie ich es liebe, mit dem originalen Schutzumschlag. Als ich das Bändchen am Bahnhof sitzend genauer beschaute, sah ich: Er hatte es mit handschriftlichem Eintrag Erich Arendt gewidmet. Weshalb solch ein Buch gerade in der Perleberger Bücherstube angeboten wurde, wird ein Rätsel bleiben. Mehr will ich über meine Bibliothek, die größte meiner Sammlungen, nicht sagen, sie ist ein Thema für sich.
Entdecken macht Freude, doch ebenso ist es mir ein Vergnügen, die eine oder andere meiner Sammlungen hervorzukramen und eingehender zu betrachten – Jüngeren ist, so scheint mir manchmal, solch ein Blick auf die Welt fremd geworden. Meine Luftballons mit Werbeaufdruck verlangten sogar mehr als nur ein Draufschauen: Ich hätte sie gelegentlich aufblasen müssen, so aber waren sie zuletzt untrennbar miteinander verklebt. Verloren gegangen sind wohl auch die drei Dutzend Papierfähnchen jener Art, wie man sie mit spitzem Holzstift, der Fahnenstange sozusagen, in Wurst- oder Käsehäppchen spießt. Heute wird so etwas kaum mehr auf die Ladentheke gestellt, die chronologisch sortierten Stücke hatten also Erinnerungswert, ich kann mir ihr Verschwinden nicht erklären.
Noch vorhanden, aber längst nicht mehr im Urzustand, ist die älteste meiner Sammlungen, die klassische Briefmarkensammlung quer durch die Welt. Wie ich auf das Thema aufmerksam wurde, habe ich bis heute in Erinnerung: Mitte der fünfziger Jahre teilte uns eine chemische Reinigung eines Tages etwas per Postkarte mit, und auf dieser Karte klebte – Drucksache im Ortsverkehr – eine Fünf-Pfennig-Marke. Aber nicht der Fünferwert aus der Fünfjahrplanserie, der Dauerserie also, vielmehr eine Sondermarke, eine Marke zum Tag der Briefmarke, auf der ein Postreiter zu sehen war, der ins Horn blies. Dass man so etwas Schönes auf einer ganz gewöhnlichen Postkarte fand, entzückte mich als Kind auf eine Weise, die ich heute gar nicht mehr nachvollziehen kann. Es hat aber noch einige Zeit gedauert, bis ich zum Briefmarkensammler wurde und einen der begehrten Sammlerausweise erhielt, die zum Kauf auch jener Werte berechtigten, die nur in geringer Auflage gedruckt wurden. Später habe ich die meisten der postfrischen Marken zur Frankatur verwendet, noch später den restlichen Bestand zum größten Teil Bethel gespendet, einer kirchlichen Einrichtung, wo dort betreut Wohnende die Marken für den Weiterverkauf sortieren. Und dann, vor ein paar Jahren, sprachen mich hier gleich um die Ecke zwei junge Leute an, beide mit je drei, vier großen Alben unterm Arm: Ob ich vielleicht Briefmarken sammle? Sie hätten das alles von ihrem Vater geerbt und wüssten nicht, wohin damit. Erwartungsvoll schlug ich zu Hause ein Album nach dem anderen auf: Frühe DDR? Altdeutschland gar? Nichts dergleichen, es war eine Ansammlung philatelistischer Belanglosigkeiten. Wieder ging das allermeiste nach Bethel; mit den verbliebenen gut sechzig Marken aus dieser und meiner Sammlung habe ich die Doppelseite eines Steckalbums befüllt. Deutsche Geschichte kann man hier nachverfolgen, vom Norddeutschen Postbezirk bis zur späten DDR, die Sowjetunion prunkt mit Übergrößen, Volkspolen dagegen, an dritter Stelle stehend, kommt eher bescheiden daher. Auch San Marino und Liechtenstein sind vertreten und selbst China, den Motiven nach zu urteilen die Volksrepublik, der Mann mit der Mütze sieht Mao ähnlich. Eine der Marken ist rot überdruckt, Zeichen eines Machtwechsels? Das Schöne an solch einer kleinen Sammlung: Man kann sie noch Stück für Stück betrachten, ohne zu ermüden.
Schon vor Jahren stark geschrumpft ist meine Geldschein-Sammlung: 1976 annoncierte der VEB Philatelie Wermsdorf, der auch für den numismatischen Großhandel zuständig war, er kaufe ungültig gewordene Scheine und zahle, sofern sie gut erhalten seien, 15 Pfennige pro Stück. Ich sandte einen ganzen Packen ein und bekam 7,95 Mark. Später wurde in der Wochenpost über den Verlauf der Aktion berichtet: Spitzenreiter unter den Einlieferern war jemand, der auf seinem Dachboden in Säcken 400.000 Scheine aus Inflationszeiten aufbewahrt hatte. Sicherlich kein echter Sammler, denn die bewahren nichts in Säcken auf. Etwa drei Dutzend Scheine sind mir geblieben; vor allem einen davon, einen Hunderter aus dem Jahre 1910, beschaue ich gelegentlich genauer, er ist … ich weiß, man kann das Wort nicht steigern … der deutscheste dieser Sammlung: Die Rückseite zeigt die Germania im Brustharnisch mit Wappenschild und großem Schwert; auf dem Kopf die Kaiserkrone, die es real gar nicht gab, sitzt sie unter Eichen, neben sich die Symbole von Industrie, Ackerbau und Handel, und links auf dem Meer kommen in Kiellinie drei Kriegsschiffe herangedampft. Zwar scheinen sie älterer Bauart zu sein, aber man weiß Bescheid.
Schön wäre es nun – und damit kommen wir zur dritten Freude des Sammlers –, wenn man seine Besitztümer einem Kenner oder wenigstens Gleichgesinnten zeigen und mit ihm darüber reden könnte. Doch das erweist sich als schwierig, manche Sammlungen sind zu umfangreich, andere wiederum zu abseitig. Man kann ja so gut wie alles sammeln, sofern man Platz dafür hat, doch wer interessiert sich schon für die Vignetten, die in der Berliner Zeitung vor sechzig Jahren dem täglichen Wetterbericht beigegeben wurden? Ein dünnes Männchen mit der Sonne als Kopf (obwohl die Sonne doch weiblich ist) hatte da je nach Wetterlage dieses oder jenes zu tun, zog am Strick eine Wolke hinter sich her, lag in der Hängematte, haschte nach Schmetterlingen, und das alles hatte etwas Kindlich-Naives an sich. Ganz besondere Kennerschaft verlangt meine Kollektion bedruckter hölzerner Tragegriffe für verschnürte Pakete: Leiser, so liest man auf dem einen, ist Berlins größtes Schuhhaus und Neckermann, wie es auf einem anderen heißt, das grosse Versandhaus, was ja schon eine Weile her ist, Berlin geht wie eh und je ins KaDeWe, das Leinen- und Wäschehaus Ruetz bietet Wäsche aus gutem Hause. Den KaDeWe-Griff habe ich sogar doppelt.
Vieles ließe sich noch über meine Sammlungen berichten; eine zum Beispiel ist Gemischtes benannt, und dort finden sich neben der erwähnte Rechnung aus Wermsdorf Etiketts vietnamesischer getrockneter Bananen, die im übrigen ganz vorzüglich schmeckten, ein alter Schreibtischkalender, eine Analyse der Alters- und Funktionsstruktur des ZK der SED, wohl aus dem Jahre ‘81 stammend, das Preisschild einer Badehose Marke Seeadler und manch andere papierne Dinge, von denen jedes eine Geschichte hat, und alle diese Geschichten zusammen würden vielleicht ein Buch ergeben.
Das also zu den – nicht immer ungetrübten – Freuden des Sammelns. Es verbindet sich mit dieser schönen Beschäftigung aber auch ein großes Problem: Was macht man mit alledem, wenn man alt ist und nicht möchte, dass es auf dem Trödelmarkt oder gar auf der Müllkippe endet? Mit diesem Problem ringe ich schon seit Jahren, habe nicht weniges an das Marbacher Literaturarchiv, ans Archiv der Robert-Havemann-Gesellschaft, an das Museum europäischer Kulturen, das DDR-Museum an der Liebknechtstraße und andere Einrichtungen abgegeben … aber es ist immer noch so viel da. Und von manchem möchte ich mich zu Lebzeiten auch nicht trennen.
Ach ach, das Sammeln…. Vielen Dank für diesen anregenden Beitrag!
Da sprudeln auch bei mir gleich die Gedanken an das, was sich so in meinem Leben zu diesem Thema angesammelt hat.
Zum einen natürlich die „professionelle“ Seite, die mich als Leiterin des Bezirksmuseums Marzahn-Hellersdorf über 30 Jahre lang begleitet hat – von Fotos und Ansichtskarten über Dokumente und Objekte bis hin zu Erinnerungen in schriftlicher, mündlicher und medialer Form. Dies näher zu beleuchten wäre allerdings ein weites Feld, das ich hier nicht beackern will. Nur so viel: wer noch auf Schätzen sitzt, die mit dem Bezirk verbunden sind und eine neue Heimat suchen – das Museum ist hier der richtige Ansprechpartner.
Eingefallen sind mir aber auch die privaten Sammlungen. In der Kindheit natürlich Briefmarken und zeitweise Münzen (beides ziemlich unsystematisch und heute ein „Problemfall“ – wie loswerden?), Gummitierchen und Schlümpfe, Wappenanhänger fürs silberne Armband, erstanden vor allem in Urlauben in Österreich, die kultigen Lurchi-Heftchen, die es beim Kauf von Salamander-Schuhen gab, eine frühe Form der Kundenbindung (leider alle verschollen), von Urlaubsreisen mitgebrachte Muscheln, Steine und Sand. Eine vollständig unfreiwillige Sammlung bestand in Unmengen von Stofftaschentüchern, mit denen Mädchen in den 1960er/70er-Jahren zwangsbeglückt wurden (irgendwann entsorgt). Als eher skurril betrachte ich eine begonnene, inzwischen nicht mehr fortgeführte Sammlung dieser Papier- oder Plastiktüten, die es im Flugzeug für den gebeutelten Magen gibt. Freund*innen ergänzten meinen Sammlungsstock bei Reisen in ferne Länder – welche genau vorhanden sind, müsste im Keller recherchiert werden.
Und heute? Da möchte ich mich doch eher im Entsammeln üben – ein Projekt für lange Herbst- und Wintertage. Spätestens da werde ich dann auch mit der Frage konfrontiert, wo meine Schätze ein neues Leben finden können. Wegwerfen kann ich ganz schlecht…
Danke, da stricke ich gern weiter. Diese Muscheln … vernünftige Menschen nehmen sie natürlich nicht mit nach Hause, und inzwischen gehöre auch ich zu ihnen. Es hat aber ein paar Jahrzehnte gedauert. Steine können dagegen recht interessant und folglich bewahrenswert sein. Vor Jahren habe ich zum Beispiel am Ostseestrand einen versteinerten Radiergummi und eine versteinerte Jagdwurstscheibe gefunden. Altertumsforscher können ja aus einem einzigen Schädelknochen den ganzen Kopf des Betreffenden rekonstruieren. Ähnlich ist es mit dem Radiergummi: Er sagt uns, dass es schon vor tausend Jahren (denn so lange braucht ein solches Büroinstrument, um zu versteinern) in dieser Küstenregion eine entwickelte Zivilisation gab. Denn wo man mit Radiergummis hantierte, gab es auch Bleistifte, und da Bleistiftschrift im Laufe der Jahre verblasst, muss es auch Tinte gegeben haben und Akten und Steuerverordnungen und schließlich auch eine Geheime Staatspolizei, also alles, was eine moderne Gesellschaft braucht. Jagdwurstscheiben dagegen versteinern erheblich schneller – wahrscheinlich hat ein Urlauber in der frühen DDR so eine Scheibe mit den Worten Wech mit den Schiet in den Sand geschleudert, wo ich sie dann gefunden habe. Es gibt inzwischen Menschen, die dieses Land allenfalls aus der Kinderwagenperspektive kennengelernt haben, um das Jägerschnitzel jedoch, das bekanntlich aus solcher Wurst besteht, einen regelrechten Ostkult entfalten. Denen sage ich: Ein echter Ostler verabscheut dieses Gericht.
Taschentücher wurden gern geschenkt, die etwas bessere Variante waren Handtücher. Die konnte man ja immer brauchen. Und doch: Es kann auch lohnen, Taschentücher zu sammeln. Ich habe da eines aus Seide, ganz reizend im verspielten Stil der fünfziger Jahre gestaltet, darauf sieht man eine junge Frau vor den Auslagen einer Pariser (?) Parfümerie. Ich frage mich, wohin es sich verkrümelt hat.
Zuletzt noch eine Empfehlung für Menschen, die in ihrer Wohnung keinen Platz für Sammlungen haben (oder zu haben meinen): Man kann auch Wörter sammeln. Zum Beispiel Modewörter: viral, herunterbrechen auf usw. Oder besonders lange. Auf einem Etikett fand ich mal den Begriff Rollmopsabtropfgewicht. Es gibt noch vielerlei Möglichkeiten, man muss nur seine Phantasie walten lassen.