von Reinhard Wengierek Mal wieder gekramt in den Theaterfächern des Bücherregals. Und fündig geworden mit einer Preziose: Den so aufschlussreichen wie amüsanten Erinnerungen des Regisseurs Barrie Kosky. Und das gerade rechtzeitig zur bevorstehenden Wiederaufnahme von „La Cage aux Folles“ am 17. Oktober in der Komischen Oper im Schillertheater. Regie: Kosky, der Ex-Chef des Hauses. Zur… Barrie Kosky – Memoiren eines Regiestars weiterlesen
Kategorie: Angemerkt + Aufgelesen
Der Freigeist. Unsterbliches Opfer – Neue Parabeln
Von Heinz Jakubowski Der Freigeist Nein, ihm konnte keiner was vormachen, IHM doch nicht! Nicht nur, weil sich F. als ein bestens informierter Mensch betrachten konnte. Keine Informationsquelle in den sozialen und asozialen Medien, die er nicht bis auf den Grund ausschöpfte, um per sublimer Logik stichhaltige Schlüsse zu ziehen, an denen er dann auch… Der Freigeist. Unsterbliches Opfer – Neue Parabeln weiterlesen
Gothas große Gründer?
von Ulrich Kaufmann Frank Lindner, Schnepfentaler Autor und gelernter Philosoph, hat ein weiteres Buch zu Thüringen vorgelegt. Dieser nobel ausgestattete und gesponsorte Band mit goldenen Lettern widmet sich der Kultur- und Wissenschaftsstadt Gotha. Die Stadt feiert ein Jubiläum, das 1250. Jahr ihrer Ersterwähnung. Der Titel „Gothas Große Gründer“ ist ein toller Stabreim, der Interesse weckt.… Gothas große Gründer? weiterlesen
Sentenzen (4)
Valmiki (zwischen dem 4. Jh. v.u.Z. und dem 2. Jh. u.Z.) Valmiki schreibt „Das Ramayana“ (Indische Miniatur).Foto: wikimedia commons / gemeinfrei Wenn ein Herrscher sich mit zehntausend Unwissenden umgibt, kann er von diesen keine Hilfe erwarten, darum sollte er zu seinem Vorteil und zum Vorteil des Reiches weise und in den Gesetzen bewanderte Ratgeber bestimmen.… Sentenzen (4) weiterlesen
Die Abenteuer des Puppenspielers Jonas Soubeyrand alias Klaus Thaler
von Reinhard Wengierek Sie nannten sich „Die Scharlatarne“ (mit zweimal „r“). Oder „Ichfunktion“, „Freygang“, „Herbst in Peking“, „Die Firma“. Oder „Grober Unfug“. Und sie rockten mit ihren wütenden, frech improvisierten Konzerten die Punk-Szene Ostberlins nebst Umgebung. Und gründeten Clubs wie „Eimer“ oder „Tacheles“, die zugleich Werkstätten waren für dadaistisch, auch obrigkeitskritisch inspirierte Kunstproduktionen lyrischer, foto-graphischer,… Die Abenteuer des Puppenspielers Jonas Soubeyrand alias Klaus Thaler weiterlesen
Sentenzen (3)
William Shakespeare (1564-1616) Miranda: O Wunder! Wie viele feine Geschöpfe sind hier beysammen! Wie schön ist das menschliche Geschlecht! O brave neue Welt, die solche Einwohner hat! (Der Sturm, 1611; Übers. Christoph Martin Wieland) Abteikirche Marmoutier. Westwerk (1140-1150). Foto: W. Brauer (2017). Karl Popper (1902-1994) Uneingeschränkte Toleranz führt mit Notwendigkeit zum Verschwinden der Toleranz. Denn… Sentenzen (3) weiterlesen
„Schluss mit dem Gefuchtel der Gliedmaßen!“ – Conrad Ekhof zum Geburtstag
von Reinhard Wengierek Am späten Abend waren beide Herren blau. Denn Legations-Rath Goethe ließ sich nicht lumpen und den teuren alten Wein aus den Geschenksendungen seiner Frau Mutter in Frankfurt reichlich fließen. Schließlich war eine Berühmtheit zu Gast, die er verehrte als den „einzigen tragischen Schauspieler Deutschlands“. Sein Name: Hans Konrad Dietrich Ekhof. Conrad Ekhof.… „Schluss mit dem Gefuchtel der Gliedmaßen!“ – Conrad Ekhof zum Geburtstag weiterlesen
Gerhard Lehrke lobt und nölt in Sachen Fußnoten und Anmerkungen
von Gerhard Lehrke Harry Rowohlt liebt Fußnoten und vermutlich auch Anmerkungen1. Ist er doch der Paganini der Abschweifung und hat neben erklecklich vielen anderen Büchern auch drei für seinen Intellekt hinreichend wahnsinnige Werke des US-Iren Roger Boylan2 aus dem Englischen ins Deutsche übertragen. Und die strotzen vor Fußnoten, die nur so tun, als seien sie… Gerhard Lehrke lobt und nölt in Sachen Fußnoten und Anmerkungen weiterlesen
Sentenzen (2)
John Stuart Mill (1806-1873) Gerade weil die Tyrannei der öffentlichen Meinung so stark ist, dass das Exzentrische einem zum Vorwurf gemacht wird, ist es erwünscht, dass man exzentrisch ist, um diese Tyrannei zu durchbrechen. Exzentrisches Wesen war immer reichlich und da vorhanden, wo Charakterstärke reichlich vorhanden war. Und das Ausmaß der Exzentrizität in einer Gesellschaft… Sentenzen (2) weiterlesen
Popstar, höchster Herr, Volksschauspieler, Miststück … Zum 45. Todestag von Ernst Busch
von Reinhard Wengierek „Du bist ein ganz blöder SED-Otto“, lästerte Volksschauspieler Hans Albers über den so gern mit roten Fahnen wedelnden Kollegen Volksschauspieler Ernst Busch. Albers blickte aufs Politische entschieden nüchterner als Busch. Dem gebrach es diesbezüglich trotz Verfolgung aus dem eigenen Lager nicht selten an einer ordentlichen Portion Klarsicht. Übrigens war es Bertolt Brecht,… Popstar, höchster Herr, Volksschauspieler, Miststück … Zum 45. Todestag von Ernst Busch weiterlesen
Mit Pässen aus Prag ins Exil. Thomas Mann zum 150. Geburtstag
von Reinhard Wengierek „Stellen Sie sich vor, ich habe einen Pass! Und alles ging glatt. Muss keine anderen Dokumente mehr vorweisen, um Visa zu kriegen. Bin nun tschechischer Staatsbürger“, ruft im Spätsommer 1936 strahlend vor Glück Thomas Mann zur versammelten Presse. Er sei ja nun „nach Masaryk und Beneš der wohl berühmteste Tschechoslowake und vorläufig… Mit Pässen aus Prag ins Exil. Thomas Mann zum 150. Geburtstag weiterlesen
„… die Insel entdecken“ – Siegfried Breslers Buch über Heinrich Vogeler
Im Januar hatte mich eine Aufforderung des Bremer Donat Verlags zur Subskription von Siegfried Breslers Buch über den Maler Heinrich Vogeler erreicht. Leider war der Zeichnungstermin bereits verstrichen. Im April war ich wieder einmal für wenige Stunden in Worpswede. Zu meinen ritualisierten Rundgängen dort gehören Vogelers „Barkenhoff“ – an jenem Tag entsetzlich überlaufen –, die… „… die Insel entdecken“ – Siegfried Breslers Buch über Heinrich Vogeler weiterlesen
Ein Aufstand, der nicht stattfand. Volker Brauns Erzählung „Die hellen Haufen“ (2011)
von Ulrich Kaufmann „Arbeitslosigkeit ist ein Gewaltakt. Sie ist ein Anschlag auf die körperliche und seelisch-geistige Integrität, auf die Unversehrtheit der davon betroffenen Menschen. Sie ist Raub und Enteignung der Fähigkeiten und Eigenschaften …“Oskar Negt (2001) Der Lyriker und Dramatiker Braun ist als Prosaist gleichermaßen experimentierfreudig. Wir kennen ihn als Novellisten (Die unvollendete Geschichte, Das… Ein Aufstand, der nicht stattfand. Volker Brauns Erzählung „Die hellen Haufen“ (2011) weiterlesen
Von Jungs in kurzen Hosen, Räubern und Angsthasen
von Heinz Jakubowski Ronald Paris: Zu J. R. Becher „Seid Euch bewußt…“ (1980). Litho. Belegblatt / Sammlung Wolfgang Brauer Kurze Hosen Als wenn dies nicht alle Jungs kennen würden: Spätestens in der Schule und / oder im heimischen Quartier fügen sich Zufalls- zu Zweckgemeinschaften. Das Sagen hat der jeweils Stärkste, um den man sich zu… Von Jungs in kurzen Hosen, Räubern und Angsthasen weiterlesen
Chef aller Lebemänner. Fund-Stück im Berliner Bühnen-Betrieb (2)
von Reinhard Wengierek Lorenzo da Ponte. Grafik von Michele Pekenino (1822) Seltsam, über die wohl genialste künstlerische Kooperation der westlichen Kunst- und Kulturgeschichte ist so gut wie nichts überliefert, was auch nur einigermaßen aussagekräftig sein könnte: Die Rede ist von den drei „Da-Ponte-Opern“ Mozarts, mit denen der Librettist Lorenzo da Ponte und der Komponist Wolfgang… Chef aller Lebemänner. Fund-Stück im Berliner Bühnen-Betrieb (2) weiterlesen