Präpositionen im Deutschen sind für Menschen anderer Sprachen ein Horror. Aber auch für Muttersprachler sind sie klassische Bananenschalen. Und das nicht erst, seitdem das Mitmachen an der Verluderung unserer Sprache zum guten Ton gehört. Im 1936 eröffneten Empfangsgebäude des Zwickauer Hauptbahnhofes weist eine Inschrift die Reisenden darauf hin, dass der Tunnel „Nach den Bahnsteigen“ geht. Ich habe nicht herausbekommen, was nach den Bahnsteigen kommt. Letztens musste ich mich sputen, um den Zug zu Halle/S. noch zu erreichen. Da war für solcherart Recherche keine Zeit mehr.

Foto: Wolfgang Brauer (2025)
Gerne höre ich den Verkehrsfunk im Radio. Wenn man im Warmen sitzt, hat es eine beruhigende Wirkung zu hören, dass die A 9 Richtung Nürnberg zwischen Dittersdorf und Hof wieder einmal komplett dicht ist und auf der A 24 bei Kremmen in beide Richtungen überhaupt nichts mehr geht. Meine persönliche Stau-Hitliste führt die A 11 (Berlin-Szczecin) an. Am 23. Januar meldete unser Küchenradio, dass auf der A 11 Baumfällarbeiten stattfinden. Und ich hatte mich imer gewundert, weshalb es da andauernd kracht. Ich gehe davon aus, dass die Autobahndirektion auch die Stubben roden lässt. Dann dürfte es mit den ständigen Unfällen auf dieser Trasse auch bald vorbei sein.
Auch die dpa bereichert immer wieder unsere schöne Sprache. Dieser Tage berichtete sie über „Nachzügler-Bäume“ – in ihrer Meldung aber ohne Anführungszeichen. Es handelt sich nicht um bei der Fällaktion auf der Autobahn übersehene Buchen, sondern es geht um Weihnachtsbäume, von denen man sich nicht trennen konnte. Man kann die noch bis Ende Februar dem Weihnachtsbaum-Entdecker-Service melden. Das ist auch ein schönes Wort. Aber erfunden hat das nicht die Presseagentur. Dafür zeichnet die Berliner Stadtreinigung (BSR) verantwortlich. Ein Unternehmen, das mir nicht nur wegen seiner sprachlichen Kreativität sympathisch ist. Vorsorglich weist es darauf hin, dass Nachzügler-Bäume natürlich nicht voll ökologisch entsorgt werden können.
Die Entsorgung von Nachzügler-Politikern – zum Beispiel gescheiterten Parlamentariern – übernimmt natürlich nicht die BSR. Im jüngst bekannt gewordenen Fall übernahm die Berliner SPD diese Aufgabe. Freudig – wie man verlauten ließ – nahm sie drei Überläufer aus der niedergehenden Linkspartei auf. Alle drei kommen aus der ehemaligen Linken-Hochburg Berlin-Lichtenberg: Michael Grunst (ehemaliger Bezirksbürgermeister), Oliver Nöll (immer noch Bezirksstadtrat für Arbeit, Bürgerdienste und Soziales) sowie Sebastian Schlüsselburg (er war u.a. rechtspolitischer Sprecher der Fraktion im Abgeordnetenhaus). Schlüsselburg behält selbstverständlich das Mandat, auch von einem Amtsverzicht Nölls war bislang noch nichts zu hören. Grunst wurde 2023 abgewählt. Vor allem Raed Saleh, intrigenerfahrener SPD-Fraktionsvorsitzender im Berliner Abgeordnetenhaus, freut sich über den Neuzugang. Der will seine politische Arbeit in der SPD, die er bislang rhetorisch brilliant – wo immer es ging – angegriffen hat, fortsetzen. „Populisten und Rechtsextreme versuchen, die Demokratie von innen heraus zu zersetzen“, dem müsse man entgegentreten, erklärte Genosse Schlüsselburg nach seinem Übertritt. Dass Politiker seines Schlages das Ihrige zur Zersetzung unserer Demokratie beitragen, scheint ihm – wie anderen auch – nicht in den Sinn zu kommen.
Man könnte es ja einmal mit einer Phase des Innehaltens und der Rückkehr in den eigenen Beruf versuchen. Wenn man denn einen hat… Bedauerlich nur, dass die Medien des Landes solchen Leuten auch noch eine Plattform zur Selbstdarstellung bieten.
Jipp! Niemals war der Parteienwechsel lustiger, als damals, da der Genosse Wechselberg von den Linken zur SPD wechselte.
Aber im Ernst: Fragen sich die Partei-Oberen auch einmal, weshalb ihnen so viele von der Fahne gehen?