Sentenzen (4)

Valmiki (zwischen dem 4. Jh. v.u.Z. und dem 2. Jh. u.Z.)


Valmiki schreibt „Das Ramayana“ (Indische Miniatur).
Foto: wikimedia commons / gemeinfrei

Wenn ein Herrscher sich mit zehntausend Unwissenden umgibt, kann er von diesen keine Hilfe erwarten, darum sollte er zu seinem Vorteil und zum Vorteil des Reiches weise und in den Gesetzen bewanderte Ratgeber bestimmen.

(Das Ramayana, Zweites Buch: Ayodhya Kanda.
Prosafassung von Willi Meinck)

Jean Paul (1763-1825)

[…]; denn da, wo noch alte deutsche Sitten sind, wird kein Versprechen gehalten; denn weil nach Möser die alten Deutschen nur Versprechen hielten, die sie vormittags gegeben – nachmittags waren sie schon besoffen –, so halten Hof-Deutsche auch keine nachmittägigen; – vormittägige würden sie halten, wenn sie sie gäben, welches aber der Fall nie sein kann, weil sie da noch – schlafen.

(Leben des Quintus Fixlein, Sechster Zettelkasten)

Der Autor ist eine Art Bienenwirt für den Leserschwarm, dem zu Gefallen er die Flora, die er für ihn hält, in verschiedene Zeiten verteilt und die Aufblüte mancher Blumen hier beschleunigt, dort verschiebt, damit es in allen Kapiteln blühe.

(Leben des Quintus Fixlein, Zehnter Zettelkasten)

In kalte Zeiten, wo die Menschen nichts mehr im Herzen haben als ihr Blut, verlang ich nicht einmal hinein; leider sind jene von der ewig wachsenden Volksmenge des Erdballes zu fürchten, die wie eine große Stadt und Reise und aus gleichem Grund Kälte gegen Menschenwert mitteilt; der Mensch ist jetzt dem andern nur im Kriege so heilig wie sonst im Frieden und im Frieden so gleichgültig wie sonst im Kriege.

(Die wunderbare Gesellschaft in der Neujahrsnacht)

E. T. A. Hoffmann (1776-1822)

Schon die Verbindung des Menschen mit toten, das Menschliche in Bildung und Bewegung nachäffenden Figuren zu gleichem Tun und Treiben hat für mich etwas drückendes, Unheimliches, ja Entsetzliches. […] Aber vollends die Maschinenmusik ist für mich etwas Heilloses und Greuliches, und eine gute Strumpfmaschine übertrifft nach meiner Meinung an wahrem Wert himmelweit die vollkommenste prächtigste Spieluhr.

(Die Automate)

Fjodor M. Dostojewski (1821-1881)


Fjodor Dostojewski. Gemälde von W. G. Perow (1872).

Foto: Sammlung W. Brauer

„… denn Tyrannei ist eine Gewohnheit, die zum Bedürfnis wird.

(Onkelchens Traum)

Niedertracht, die vom Joch befreit wird, unterjocht gern selbst. Foma war unterdrückt worden und verspürte nun sogleich das Bedürfnis, selbst zu unterdrücken; man hatte ihn schikaniert, nun schikanierte er andere.

(Das Gut Stepantschikowo und seine Bewohner)

Kurt Tucholsky (1890-1935)

Aber das Recht zum Kampf, das Recht auf Sabotage gegen den infamsten Mord: den erzwungenen – das steht außer Zweifel. Und, leider, außerhalb der so notwendigen pazifistischen Propaganda. Mit Lammsgeduld und Blöken kommt man gegen den Wolf nicht an.

(Ignaz Wrobel: Über wirkungsvollen Pazifismus [1927])

Es gibt nur eine Sorte Pazifismus: den, der den Krieg mit allen Mitteln bekämpft. Ich sage mit allen, wobei also die ungesetzlichen eingeschlossen sind.

(Ignaz Wrobel: Gesunder Pazifismus [1928])

Kai Wegner (geb. 1972)

Heute ist ein guter Tag. Doch der nächste Schritt muss folgen.

(Eröffnungsrede des Regierenden Bürgermeisters
von Berlin für 3,2 km Autobahn)

Hasso Spode (geb. 1951)

Da kommt noch einiges auf uns zu. Möglicherweise wird Europa, was Italien schon ist. Das Freilichtmuseum der Welt.

(„Das halte ich für ziemlichen Medienkram“.
Interview mit der Berliner Zeitung)

Thomas Müntzer (1489-1525)

Ich habe euch oftmals gewarnet, daß die Strafe Gottes nicht vermieden werden kann, durch die Obrigkeit vorgenommen, es sei denn, daß man erkenne den Schaden. Welcher allzeit erkennet, den Schaden meiden kann.

(Bekenntnus Thomas Muntzers
– Abschiedsbrief an die Mühlhäuser vom 17. Mai 1525)

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