William Shakespeare (1564-1616)
Miranda: O Wunder! Wie viele feine Geschöpfe sind hier beysammen! Wie schön ist das menschliche Geschlecht! O brave neue Welt, die solche Einwohner hat!
(Der Sturm, 1611; Übers. Christoph Martin Wieland)

Abteikirche Marmoutier. Westwerk (1140-1150).
Foto: W. Brauer (2017).
Karl Popper (1902-1994)
Uneingeschränkte Toleranz führt mit Notwendigkeit zum Verschwinden der Toleranz. Denn wenn wir die uneingeschränkte Toleranz sogar auf die Intoleranten ausdehnen, wenn wir nicht bereit sind, eine tolerante Gesellschaftsordnung gegen die Angriffe der Intoleranz zu verteidigen, dann werden die Toleranten vernichtet werden und die Toleranz mit ihnen.
[…]
Wir sollten daher im Namen der Toleranz das Recht für uns in Anspruch nehmen, die Unduldsamen nicht zu dulden. Wir sollten geltend machen, dass sich jede Bewegung, die die Intoleranz predigt, außerhalb des Gesetzes stellt, und wir sollten eine Aufforderung zur Intoleranz und Verfolgung als ebenso verbrecherisch behandeln wie eine Aufforderung zum Mord, zum Raub oder zur Wiedereinführung des Sklavenhandels.
(Die offene Gesellschaft und ihre Feinde, 1945)
Wim Wenders (geb. 1945)
Deutschland hat auch eine tolle Seite, es ist immer noch ein Land von großer Offenheit und Transparenz, verglichen mit fast überall sonst. Selbst wenn die Deutschen an ihrem eigenen Land gern alles schlechtmachen, muss man schon lange suchen, bis man einen Ort findet, an dem man offener und freier leben kann.
(Interview mit der Berliner Zeitung / 28. u. 29. Juni 2025)
Kurt Tucholsky (1890-1935)
Immer wieder erschütternd ist die partielle Gehirnlähmung bei den Deutschen; überall da eine Verschwörung zu wittern, wo sie mit ihrem Wesen auf irgendeinen Widerstand stoßen.
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Es scheint sehr viel Mut dazu zu gehören, einmal zu sagen: „Ich bin nicht der liebe Gott. Also kann ich mich nicht um alles kümmern. Dieses Gebiet ist nicht das meine – ich habe nichts dazu zu vermelden.“
(Schnipsel, 1995 herausgegeben von Wolfgang Hering
und Hartmut Urban)
Zbigniew Herbert (1924-1998)
In der Geschichte schließt nichts endgültig. Die im Kampf gegen die Templer [1304-1312 durch den französischen König Philipp IV. unter Zuhilfenahme der Inquisition; 1312 wurde der Templer-Orden aufgelöst, der letzte Hochmeister starb 1314 auf dem Scheiterhaufen – WB] angewandten Methoden sind in das Repertoire der Macht eingegangen. Deshalb können wir diese Affäre nicht den blassen Fingern der Archivare überlassen.
(Verteidigung der Templer, 1962; Übers. Klaus Staemmler)
Katja Hoyer (geb. 1985)
Arbeit ist mehr als ein Wirtschaftsfaktor. Sie ist ein identitätsstiftender Teil unseres Lebens und unserer Gesellschaft. Wenn sie nur noch zum Zwang wird, geht mehr kaputt als nur der Wohlstand.
(Kolumne Berliner Zeitung, 2025)
Voltaire (1694-1778)
„Wohl gesprochen“, versetzte Candide, „aber wir müssen unseren Garten pflegen.“
(Candide oder Der Optimismus, 1758)

Marmoutier. Foto: W. Brauer (2017).