Russlands strategische Lage

von Stephan Wohanka

Mich wundert seit geraumer Zeit, dass die strategische Lage, in die sich Russland durch die Aggression gegen die Ukraine manövriert hat, gar nicht oder kaum erörtert wird; ich jedenfalls kenne keine einschlägigen Beiträge dazu…


Geschichte als Inszenierung – Alexander P. Bubnov: Morgen auf der Kulikower Feld, 1947 (Ausschnitt).

Je nach politischer Orientierung schauen Menschen mit Anerkennung, Bewunderung, Zorn, Ekel oder Unverständnis zu, wie das größte Land der Welt ein völkerrechtswidriges Gemetzel in der Ukraine anrichtet und sich dabei selbst verschleißt. Die Aggressoren rücken zwar langsam vor; ihre „Leistung“ auf dem Schlachtfeld steht jedoch in keinem Verhältnis zum Preis, den sie dafür zahlen. Im Ergebnis wird die Ukraine weiter zerstört; Russland hingegen schwächt sich demografisch, wirtschaftlich, technologisch und politisch. Die Schäden sind (noch) wenig sichtbar, aber potenziell dauerhaft und schwer zu beheben, da umfassend und strukturell. Alexandra Prokopenko, bis zur Ukraine-Invasion leitende Beraterin bei der russischen Zentralbank, spricht von einer „Politik der verpfändeten Zukunft“.

Da wären die fortlaufenden hohen Verluste an jungen, arbeitsfähigen Männern – Gefallene, Verwundete, Traumatisierte –; offizielle Zahlen gibt es nicht. Bis Anfang Januar 2026 konnten durch Auswertungen von Open Source Quellen wie Social-Media-Posts von Familienmitgliedern, lokalen Nachrichten und offiziellen Ankündigungen regionaler Behörden über 160.000 namentlich bestätigte Todesfälle registriert werden. Der britische Geheimdienst sprach Ende 2025 von 1.168.000 Verlusten – Toten und Verwundeten –; verschiedene externe Analysen von Think Tanks und Open Source Intelligence Gruppen gehen in ihren Modellrechnungen von etwa 220.000 bis über 300.000 getöteten russischen Soldaten aus – je nach Methodik. Eigene Spekulationen verbieten sich.

Hinzu kommt, dass seit 2022 ebenfalls mehrere hunderttausend, überwiegend junge, gut ausgebildete Menschen Russland dauerhaft verließen; Mitte 2024 sollen es der Novaya Gazeta Europe zufolge mindestens 650.000 gewesen sein. Andere Schätzungen liegen höher. Sie waren in der IT-Branche, in der Wissenschaft und im Unternehmertum tätig. Eine erste Ausreisewelle gab es zu Beginn des russischen Überfalls, eine zweite folgte nach einer Teilmobilmachung durch Putin.


Kriegsbegeisterung? Konstantin A. Sawizki: In den Krieg! – 1888 (Ausschnitt).

Bereits vor dem Krieg hatte Russland erhebliche strukturelle demografische Defizite – eine alternde Gesellschaft mit niedriger Fertilität. Die mit dem Krieg einhergehende Unsicherheit, die Mobilisierung sowie wirtschaftliche Verwerfungen verstärken diesen demografischen Negativtrend. So fiel die Geburtenzahl Anfang 2023 auf ein Rekordtief – so klein wie zuletzt Ende der 1990er Jahre. Als im Februar 2025 der Wert schließlich auf den niedrigsten Stand seit 200 Jahren sank, stellte das russische Statistikamt Rosstat seine monatlichen Statistiken zu Geburten und Todesfällen ein. Laut einer Berechnung des Atlantic Council könnte sich die Bevölkerung Russlands bis zum Ende des Jahrhunderts halbieren; Harley Balzer von der Georgetown University äußerte gegenüber dem Kyiv Independent, dass „aus russischer Sicht (der Sieg im Krieg in der Ukraine – St. W.) das kleinere Problem“ sei.

Fazit: Der Krieg ist demografisch ein schwerer, absehbar kaum reversibler Schaden für das Land – weniger Erwerbstätige, höhere Lasten für Renten- und Gesundheitssysteme.

Schon 2023 wiesen die Gouverneurin der russischen Zentralbank, Elvira Nabiullina, und die Iswestija auf Russlands dezimierte Erwerbsbevölkerung hin; die fehlende Zahl lag damals bei schätzungsweise 4,8 Millionen Arbeitskräften. Großzügige Zahlungen an Kriegsfreiwillige hatten dazu noch eine Lohnspirale ausgelöst.

Was die Wirtschaft insgesamt angeht, so ist diese entgegen gewissen westlichen „Hoffnungen“ nicht kollabiert. Die Gründe liegen in weiterhin relativ hohen Rohstofferlösen aus Öl, Gas, Uran und Düngemitteln, der Umstellung auf Kriegswirtschaft und der Umgehung von Sanktionen über Drittstaaten. Die Monostruktur durch die Abhängigkeit von Rohstoffexporten nach China, Indien und andere Abnehmer, die zunehmend pragmatisch und nicht loyal agieren und mit starker Verhandlungsmacht ausgestattet sind, schwächt Russlands Wirtschaft. Durch westliche Sanktionen sind wichtige Absatzmärkte weggebrochen. Kapitalflucht tut ein Übriges. Russland ist für westliches Kapital auf absehbare Zeit aus unterschiedlichen Gründen kein Investitionsstandort.

Das einschneidende Ereignis für die russische Ökonomie war deren Umstellung auf die Kriegswirtschaft. Mathieu Boulegue, Experte für das russische Militär, beschrieb gegenüber The Moscow Times die Entwicklung als „eine Form des Verteidigungs-Keynesianismus“. Er erklärte: „Dies läuft wirklich auf einen neuen Gesellschaftsvertrag und ein Wirtschaftsmodell hinaus, in dem das Wachstum durch militärbezogene Produktion angetrieben wird.“

Angelockt durch Gehälter von bis zu 150.000 Rubel monatlich – fast das Doppelte des nationalen Medianeinkommens – arbeiten mittlerweile etwa 3,8 Millionen Menschen in diesem Sektor, was rund fünf Prozent der Arbeitskräfte entspricht (für Deutschland liegt der Satz bei etwa 0,85 Prozent).

Diese „Kriegsgewinnler“ in der (Rüstungs-)Industrie bilden neben neuen Kriegsveteranen eine aufstrebende, regimefreundliche politische Mittelschicht; anders als Teile der alten Eliten sind diese gesellschaftlichen Aufsteiger überzeugt von Putins Herrschaft und dem Ukraine-Krieg. Sie sollten nach Putin überall in der Gesellschaft eine wichtige Rolle spielen – in der Bildung, in Betrieben, in der Staats- und Regionalverwaltung. Die russischen Militärausgaben sind laut The Moscow Times seit dem Vorkriegsjahr 2021 um fast 300 Prozent gestiegen – von 3,6 Billionen Rubel (etwa 38 bis 40 Milliarden Euro) auf 13,5 Billionen Rubel (145 Milliarden Euro) für das Jahr 2025. Doch trotz dieser massiven Investitionen verliert die Rüstungsproduktion an Dynamik.

Das russische Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung prognostizierte für 2025 ein Wachstum der Industrieproduktion von lediglich einem Prozent – ein drastischer Rückgang gegenüber 5,6 Prozent im Vorjahr. Besonders deutlich wird die Abschwächung in kriegsrelevanten Sektoren: Die Produktion von Computern, Elektronik und Optik, die Kernkomponenten für Waffensysteme umfasst, wuchs zwischen Januar und Oktober 2025 nur noch um 14 Prozent von einstmals sogar 39 Prozent 2023. Wie mag es da erst im zivilen Sektor aussehen?

Der Wirtschaft macht auch mittelfristig die Inflation – 2025 bei etwa 10 Prozent – zu schaffen, was höhere Leitzinsen (15 Prozent) zur deren Eindämmung verursachte. Diese trafen auf eine bereits geschwächte Wirtschaft, die dringend auf Investitionen und Liquidität angewiesen ist. Eine Rubelabwertung machte allein im letzten Jahr rund 18 Prozent gegenüber dem US-Dollar aus.

Strukturell und damit langfristig kommt es zu technologischem Rückfall durch die – zumindest temporäre – Abkopplung von westlichen Hochtechnologien wie Halbleitern, Maschinenbau und Luftfahrt. Dabei „(gehört) Russland bereits jetzt schon zum technologischen Hinterhof der Welt“, so Prokopenko. „In den letzten drei Jahren haben wir in Russland keine herausragenden Innovationen gesehen, nicht einmal Anzeichen für potenzielle technologische Durchbrüche.“

Bezogen auf den hypothetischen kriegsfreien Zustand, verlor Russland innerhalb von fünf Jahren über 1,4 Millionen mittelständige Unternehmen (KMU), was etwa 42 Prozent der Firmenlandschaft entspricht. Dieser Verlust erklärt sich durch deutlich weniger Neugründungen und vermehrte Schließungen bestehender Unternehmen.

Fazit: Die russische Kriegswirtschaft ist fähig, einen längeren Krieg zu führen, aber unfähig, eine nachhaltige Volkswirtschaft zu tragen. Sie ist ein Überlebens- und Durchhaltesystem, kein Entwicklungsmodell. Entscheidend ist dabei nicht nur der Mangel an Ressourcen, sondern auch der Verlust von Steuerungsfähigkeit.

Die politischen Folgen sowohl des demografischen als auch wirtschaftlichen Niedergangs Russlands deuten sich bereits an. Die Verluste an gefallenen Soldaten, die Emigration junger und gut ausgebildeter Menschen schwächen potenziell oppositionelle Milieus, was dem Regime eine noch stärkere Überwachung, Repression und Propaganda erleichtern dürfte. Soziologische Verschiebungen innerhalb der Bevölkerung spielen ihm dabei in die Hände.


Was zählt ein Mensch… Pjotr Below: Das Jahr 1941 -1987 (Ausschnitt).

Wachsender wirtschaftlicher Druck wiederum könnte das interne Protestpotenzial erhöhen, wodurch sich die politische Legitimation weiter vom Wohlstandsversprechen hin zu nationalistischer Mobilisierung und Kriegsrhetorik verschieben könnte.

Schaut man auf The Grand Chessboard (Zbigniew Brzeziński), also auf die geopolitische Weltlage, so hat Russland zunehmend weniger Figuren auf dem Brett. Der König, die Dame und die Türme stehen noch, doch die Reihen der Bauern, Läufer und Springer sind gelichtet; vulgo eine deutliche Einschränkung strategischer Handlungsfähigkeiten. Russland bleibt zwar Atommacht, verliert aber strukturell an Machtprojektion. Die Isolation vom Westen zwingt das Land in stärkere Abhängigkeiten; China wird zum dominanten wirtschaftlichen und geopolitischen Bezugspunkt, Russland zum Juniorpartner mit Folgen für die eigene Souveränität.

*

Zur Bildauswahl: Es gibt Themen, da vergeht auch mir jegliche Lust auf Satire. Ich habe daher Ausschnitte aus Bildern russischer, respektive sowjetischer Maler gewählt, die sich mit dem Thema Krieg auseinandersetzen. Alexander Bubnov (1908-1964) war einer der Lieblingsmaler Stalins. Sein 1943 begonnenes monumentales Gemälde „Morgen auf der Kulikower Feld“ illustriert eine der zentralen Geschichtslegenden auch des heutigen Russlands. Erst 2016 wurde auf dem einstigen Schlachtfeld bei Tula ein gigantisches Museum eröffnet. Der große Realist Konstantin Sawizki (1844-1905) – er steht zu Unrecht im Schatten Repins – erzählt hingegen vom Abschied der in den Russisch-Osmanischen Krieg 1877 hineingezwungenen Bauern von ihren Familien. Pjotr Below (1929-1988) hingegen – er war leitender Bühnenbildner am Moskauer Zentraltheater der Sowjetarmee – setzte sich in seinen Bildern immer wieder mit dem Stalinismus auseinander. „Das Jahr 1941“ wird von einer Hand dominiert, die Massen von Soldaten gegen die feindlichen Panzer schiebt, die sie zermalmen werden. Wenn sie nicht vorher das herabfallende Zündholz erschlägt. Die Stummelpfeife ist jedem russischen Menschen vertraut. Sie gehört „Väterchen Stalin“. (W. Brauer)

10 Kommentare

  1. Sehr fundiert und dazu noch höchst sachlich und also unideologisch!
    Unernste Anmerkung: Vielleicht könnte Moskau seine geostrategischen und -wirtschaftlichen Bedingungen dadurch verbessern, dass des den Verkauf Alaskas 1867 durch Zar Alexander II. für popelige 7.200.000 US-Dollar als sittenwidrig rückgängig macht. Die putinunfreundliche Quasi-Annexion Venezuelas wäre doch ein geeigneter Anlaß zur Revanche…

  2. Danke für den Beitrag.
    Aus meiner Sicht ist eine militärische Spirale des „Größenwahnsinns“ mehrerer Länder im Gange. „WeltTrends“ veröffentlichte im letzten Jahr eine deutsche Fassung des Berichtes von Dmitrij Trenin / Sergeij Awakjanz und Sergej Karaganow mit dem Titel „Von der passiven zur aktiven Abschreckung“. Der Bericht soll den „höchsten Kreisen“ Russlands vorgestellt worden sein.
    Die durchgehende „Philosophie“ ist, „wenn Staaten nicht im selben Bündnis sind, beruht der Frieden zwischen ihnen auf der Angst vor einem Krieg“. Da Russland sich als Atommacht und als Weltmacht sieht, will es seine angeblichen nationalen Interessen durchsetzen und dabei nicht vor Gewalt zurück schrecken, um vom Gegner „ernst“ genommen zu werden.
    Die USA gehen und gingen bereits genau so vor.
    Andererseits macht meines Erachtens die westeuropäische Politik seit Jahren den Fehler, Russland aus Europa quasi auszuklammern. Statt zu integrieren wurde ausgeklammert. Dagegen hätte eigentlich aus der Industrie Widerstand kommen müssen, denn mit so einem rohstoffreichen und flächenmäßig weit nach Asien und bis an die USA reichenden Land zusammen zu arbeiten, müsste doch interessant sein, oder?
    Aber wahrscheinlich schläft die Vernunft bei vielen Verantwortlichen und Größenwahn ist vorhanden. Das macht mir Sorge.

    1. Ich bin immer wieder erstaunt darüber, dass bestimmte Narrative auch dann weitergepflegt werden, wenn die Realitäten für jedermann ersichtlich anderes aussagen.
      „Andererseits macht meines Erachtens die westeuropäische Politik seit Jahren den Fehler, Russland aus Europa quasi auszuklammern. Statt zu integrieren wurde ausgeklammert“, stellen Sie fest.
      Dass bis zur Krim-Annexion Russland in der EU partnerschaftlich eingebunden war (G8/Rußland-Nato-Rat/Europa-Rat – aus dem R. 2022 austrat -/ Wirtschaftsbeziehungen – mit Nordstream 2, 2021 abgeschlossen) kann man der EU doch nun wirklich nicht als antirussische Apartheidpolitik vorwerfen, selbst wenn man EU und Nato nicht mag.

  3. Mich freut, dass der Text bislang positiv aufgenommen und seine Sachlichkeit hervorgehoben wird. Ich denke – alles andere als Sachlichkeit verböte sich angesichts der menschlichen und nationalen Tragödie, die sich hinter den Zahlen abspielt.
    Ich will auf die wirtschaftspolitische Frage näher eingehen…. Bekanntlich ruhte die deutsche Ökonomie bis 2022 auf drei tragenden Säulen: Exportorientierung: Starke Abhängigkeit von offenen Märkten und globalem Handel. Günstige Energie aus Russland: Erdgas als Fundament der Industrie (Chemie, Stahl, Glas, Papier). Politische Zurückhaltung in Sicherheitsfragen: Vorrang von Handel als Mittel der Stabilisierung und Treiber der Politik („Wandel durch Handel“). Diese Architektur setzte voraus, dass wirtschaftliche Verflechtung politische Konflikte gar nicht zulässt; und wenn schon – entschärft.
    Der russische Angriffskrieg stellte dieses Modell abrupt infrage. Die Annahme, ökonomische Integration führe zu politischer Mäßigung, erwies sich als Fehleinschätzung. Wirtschaftliche Fragen wurden dadurch wieder zu macht- und sicherheitspolitischen Instrumenten. Die deutsche Wirtschaft ist nicht länger primär Treiber politischer Entscheidungen, sondern zunehmend Objekt politischer Prioritätensetzung; wirtschaftliche Effizienz tritt teilweise (wieder) hinter Sicherheit, gesellschaftliche und wirtschaftliche Resilienz und strategische Autonomie zurück.
    Das kann man bedauern, ändern lässt sich das wohl auf absehbare Zeit nicht.

  4. In den letzten Monaten bin ich zu ähnlichen Ergebnissen wie Stephan Wohanka gelangt. Ich möchte einige ergänzende Bemerkungen machen.

    In Russland sind zunehmend keine investiven Mittel vorhanden. Sobald der Krieg vorbei ist, wird es nicht automatisch eine prosperierende Friedenswirtschaft geben. Dem Land fehlen die Mittel, sich zu erneuern und zu modernisieren. Im zurückliegenden Jahr haben ranghohe Wirtschaftsexperten vermehrt darauf hingewiesen, vor allem die Präsidentin der Notenbank Niabullina.

    Bereits jetzt erlebt Russland ein intensives Firmensterben. Preise sind oft nicht mehr durchsetzbar, es kommt zur Zahlungsunfähigkeit und dann zu Pleiten. Die Bevölkerung ist ängstlich und hält das Geld beisammen.

    Deshalb werden Fremdinvestitionen angestrebt. Aber wegen Sanktionen, aber auch wegen fehlender Perspektive, gibt es wenige. Die meisten kommen noch aus China, aber China investiert mehrheitlich in den Grenzgebieten von Amur und Ussuri. Die Chinesen haben dort Interesse, Land zurück zu gewinnen. Dies dürfte gelingen, denn zwischen Ural und Pazifik leben sage und schreibe 40 Millionen russische Staatsbürger. Wenn man durch dieses Gebiet hindurch läuft, begegnen einem alle paar Tage ein paar Menschen. Deshalb will Russland in Europa Menschen sammeln. Aber die Perspektive Sibiriens aus russischer Sicht ist fragil.

    Ich habe mich im Herbst 2025 entschieden zu sagen, der Krieg endet 2026. Wie sich die Weltpolitik gerade entwickelt, kann das historische Realität werden. Sollte China bald Taiwan angreifen, steht Russland ohne China da. Denn auch China wird die Insel nicht in vier Tagen erobern. Vieles spricht dafür, dass die USA keine Rücksicht mehr auf Russland nehmen werden. Sie haben einen Deal angeboten, der ausgeschlagen wurde. Russland hat offenbar die aktuellen Pläne der USA verschlafen und auch technisch versagt. Der globale Süden beobachtet den Auftritt Russlands in dieser Angelegenheit sehr genau. Und Trump, man sieht es jetzt, ist nicht der Allmächtige im amerikanischen Politikbetrieb. Da mischen seine Leute ganz eigenmächtig mit.

    Sollte sich die Aggression gegen die Ukraine letzten Endes als Spiel EU gegen Russland erweisen, wird Russland nicht verlieren, aber Zugeständnisse machen müssen. Ganz wichtig: der Fluss Dnipro muss für die Ukraine frei bleiben. Das muss ein Pfand bleiben gegen den voraussichtlichen Verlust der Küste am Asowschen Meer.

    Wie fragil die politische Stabilität in Russland geworden ist, zeigt auch ein Blick auf die Fensterstürze. Die sind inzwischen so enorm zahlreich, dass man sich fragt, wie Russland es wagen kann, etwa der Ukraine ein demokratisches Lebensrecht abzusprechen. Dazu kommen die immer dreister werdenden Lügen, Anschuldigungen und hybriden Angriffe. Russland als Staat ist unglaubwürdig.

    Russland stehen schwere Jahre bevor. Aber es wird auch Trost geben. Fürst Potjomkin war mit der Entwicklung der neuen Provinz Noworossija durch die russische Zarin beauftragt. Nicht jeder Aufbauplan gelang – daher die erdachten Potjomkinschen Dörfer. Eines Tages werden die nicht realisierten Projekte im „befreiten“ Noworossija den Namen „Putinsche Städte“ tragen. Der Wiederaufbau der eroberten Gebiete wird Russland wie ein Klotz am Bein hängen.

  5. Kleine Zugabe

    Welch erbärmliche und prinzipienlose Kreaturen: Warum die Europäer nun Schutz bei Russland suchen

    Unter dieser Überschrift veröffentlichte RTdeutsch dieser Tage den Artikel eines Kirill Strelnikow, der zuvor bereits bei RIA Nowosti erschienen war. Der Autor – oder sein Pseudonym – macht seinem übersetzten Namen „Schütze“ (abgeleitet von den Strelizen, einer frühen russischen Elitetruppe) alle Ehre, woran ich auszugsweise gern teilhaben lasse.

    Eingangs stellt Strelnikow fest: „Die Europäer waren seinerzeit nicht in der Lage zu verstehen und zu akzeptieren, dass die militärische Sonderoperation Russlands in der Ukraine auch zu ihrem Schutz diente. Nun ernten sie die bedauerlichen Folgen ihrer Blindheit.“

    Die folgende ausführliche Exegese dieser originellen Geschichtsbetrachtung endet mit einer Drohung: „Putin erklärte, Russland sei bereit, die Beziehungen zu Europa wiederherzustellen“, und man wolle „glauben“, dass Russland und Europa mit der Zeit „zu einem normalen, konstruktiven Dialog zurückkehren“ würden.

    „Aber Europa, blind vor Hass, Neid und Angst, entschied sich erneut für eine Konfrontation mit Russland, was nun dazu führen könnte, dass es von der politischen und historischen Landkarte verschwindet – es sei denn, wir kommen erneut zu Hilfe.“

    No comment…

  6. Zugabe 2.0

    Dienstag, so war in der „jungen welt“ zu lesen, hat der russische Außenminister Sergej Lawrow eine für diplomatische Maßstäbe klare Sprache wiedergefunden. Den US-Angriff auf Venezuela nannte er eine »brutale Aggression«, die im weiteren Verlauf auch Kuba und andere Staaten Lateinamerikas bedrohe. Die seit Jahrzehnten geltende internationale Ordnung sei auf den Kopf gestellt, und ein Zeitalter, in dem Macht Recht setze, sei auf dem Vormarsch.
    Nicht, dass diese Analyse falsch wäre, sie ausgerechnet aus offiziell russischem Munde zu hören, hat denn aber doch etwas erheblich Pathologisches.

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