Patria o muerte! Eine „unstatthafte“ Überlegung?

von Heinz Jakubowski

Spätestens seit Donald Trump auch die Vereinnahmung Kubas in sein Imperium avisiert hat, ist die karibische Insel wieder in eines der Zentren globaler Machtspiele gerückt. Es ist keine Frage: Was Washington Kuba mit seiner seit Jahrzehnten anhaltenden Blockade antut, ist in höchstem Maße inhuman, ja verbrecherisch, zumal der Grund dafür ein höchst profaner ist: Mit seiner Revolution von 1959 hat sich Kuba den Amerikanern als deren verlängerte Spielbank weggenommen. Und wer das amerikanische Selbstverständnis kennt, der weiß, dass Demütigenderes für Amerika kaum vorstellbar ist. Die Rachsucht, mit der man (kurze, relative Ausnahme: die Obama-Zeit) die kleine und eigentlich unbedeutende Insel überzieht, ist entsprechend exemplarisch.


„Cuba si – Yankee no!“ I – Januar 1963, Berlin-Pankow: Die Klasse 3a der 5. POS Aschersleben übergibt in der kubanischen Botschaft Solidaritätsgeschenke für kubanische Kinder – einen Polytechnik-Baukasten, Bleistifte und Schulhefte. In der Mitte des Bildes die Dolmetscherin der Botschaft, mit der Pelzmütze der Klassenlehrer Egon Weyh, daneben der Chef der Patenbrigade aus dem Reichsbahn-Ausbesserungswerk (RAW). Foto privat (1963) / Sammlung W. Brauer

Zwecks Klarstellung meines noch folgenden Ansatzes bleibt unbedingt erinnernswert, dass die Begeisterung für die kubanische Revolution mental ursprünglich verständlich war. Immerhin war man mit Batista ein korruptes und brutales Marionettenregime losgeworden. Die Sympathie im Volk für die Rebellen um Fidel Castro und dessen spätere Machtübernahme war entsprechend folgerichtig.

Allerdings stand das in keinem rechten Verhältnis zu den Möglichkeiten der Insel, daraus – zumal in feindlichem Umfeld – eine stabile und sich zumindest grundsätzlich selbsttragende, wirtschaftlich diversifizierte sozialistische Gesellschaft aufzubauen. Jahrzehntelang wurde dieses Dilemma durch die massiven Hilfeleistungen namentlich der UdSSR – wie des Ostblocks überhaupt – leidlich kompensiert. Aber über all die anhaltenden und / oder wechselnden Probleme der Wirtschaft wie der Versorgung blieben immerhin die Parolen stabil, allen voran: „Patria o muerte!“

Nun vermag ich in Anbetracht Trumpscher Drohungen auch von Gewalt nachvollziehen, dass Havanna derzeit (wieder) auch mit dieser Losung reagiert. Sich einem eventuellen militärischen Überfall mit militärischen Mitteln zu widersetzen, wäre völkerrechtlich ebenso statthaft, wie das auch im Falle der sich verteidigenden Ukraine der Fall ist. Was gilt aber in einem Falle, in dem es einem Land durch nichtmilitärische Mittel (wie eben etwa Boykott) verunmöglicht wird, eine erfolgreiche Entwicklung zu nehmen, an der vor allem die Bevölkerung partizipieren kann? Ist die Alternative des Todes auch ohne die Perspektive auf physische Gewalt (Krieg), akzeptabel, wo sie als voraussichtlicher Selbstmord im Grunde doch m.E. ebenso inhuman ist?

„Patria“ ist in Kuba gleichgesetzt mit Sozialismus, was ja schon mal ein unzulässiges Verständnis von Vaterland bzw. Heimat ist, meint der spanische Begriff doch laut Wikipedia die „Gesamtheit der Lebensumstände, in denen ein Mensch aufwächst“, deren politische Verfasstheit ist dabei nur eines der Definitionsmerkmale. Aber sei´s drum: Impliziert diese Losung eine humane Alternative? Lieber sterben, als den Verlust eines zwar immer humanistischen  Bemühens hinzunehmen, das in der Praxis – dank eigener wie fremder Einflüsse – aber nicht vermocht hat, das bessere Leben nach der Kolonialisierung guten Lebens einzulösen. Denn wiewohl Kuba in der Tat ein Leuchtturm sozialen Fortschritts in Lateinamerika war, hangelt es sich Jahrzehnt um Jahrzehnt von einer Sonderperiode zur anderen, verbunden mit Einschränkungen, die tief ins Existentielle der etwa zehn Millionen Bewohner eingreifen; der Begriff strukturelle Armut ist leider keineswegs bösartig konnotiert, gerade die gegenwärtige Agonie spricht eine beredte Sprache.


„Cuba si – Yankee no!“ II – Einmarsch der Rebellen in Havanna am 8. Januar 1959 (in der Mitte Fidel Castro, links Camilo Cienfuegos) – Foto: El Fogonero, Public domain, via Wikimedia Commons. Unsere Schulklasse nahm als Dankeschön eine von Fidel Castro signierte LP mit nach Hause. Auf der Platte war eine der berühmten langen Castro-Reden zu hören. Am Anfang aber der „Marsch des 26. Juli“. Herr Weyh musste den jedes Mal spielen, wenn wir meinten, ein Lob verdient zu haben: „Adelante, Cubanos!“ Die Bärtigen aus der Sierra genossen die uneingeschränkte Sympathie von uns Kindern.

Darf eine, zumal eine kommunistische, Staatsführung ihr Volk zu einem „Glück“ zwingen, das aus Armut und Abhängigkeit besteht, und bei dem fast nur noch das Label des Sozialismus von Fortschritt in irgendeiner fernen Zukunft kündet? Welche Macht hat das Recht, im Falle des Misslingens ihrer Ambitionen – und seien diese noch so humanistisch definiert wie in Kuba – ihr Volk in Geiselhaft zu nehmen? Für ein Leben ohne reale Aussicht auf Verbesserung, zumindest solange in den USA die antikubanische Reaktion die Politik bestimmt?

Ist es für eine kommunistische Führung hinnehmbar, wenn sich Gleichheit nun schon über Generationen hinweg nur via Armut herstellen läßt?

Ist es denn völlig abwegig, einen marktwirtschaftlichen Kurs einzuschlagen, wie ihn China oder Vietnam – beide freilich mit größerem Potential als Kuba – eingeschlagen haben; nicht problemlos freilich, aber doch offenkundig erfolgreich und für ihre Landeskinder mehrheitlich vorteilhaft?

Ist es denn völlig abwegig, einen Machtwechsel zu akzeptieren, wie er sich – bei allen Besonderheiten freilich – in der UdSSR oder DDR (wenn dort die Einsicht seinerzeit auch erzwungen worden ist) vollzogen hat: Zulassung demokratischer Parteien, freie Wahlen, ggf. Kooperationen mit diesen Parteien (á la der Modrow-Regierung von Ende 1989) in der DDR, dann freie Wahlen und dann – ja, und dann „nur noch“ Opposition. Ist die Verteidigung der Interessen eines Vaterlandes identisch mit der Verteidigung dessen Politik?

Ist es Defaitismus, solche Fragen aufzuwerfen oder eben doch Vernunft als Einsicht ins Unvermeidliche?

Gewiss, niemand vermag vorauszusagen, ob und wie sich auf der karibischen Insel solches vergleichbar vollziehen würde; dessen war beim System-Change im Osten Deutschlands und Europas aber auch keiner sicher, nach einem absolut verbindlichen Regularium vollziehen sich Umbrüche dieser Art, jeder ein ungeprobter Schöpfungsakt, nun mal nicht. Der freiwillige Verzicht auf Alleinherrschaft wäre für eine kommunistische Partei freilich ein Novum – überall sonst mussten sie eher zum Jagen getragen werden.

Übrigens: Gern wird von den Regenten in Havanna wie von den Freunden des kommunistischen Kubas auf die politische Solidarität der Öffentlichkeit zwischen Santiago und Pinar del Rio hingewiesen. Dies allerdings löst ebenfalls Erinnerungen an die End-DDR aus, an deren zentralen Manifestationen (1. Mai und 7. Oktober etwa) ebenso hunderttausende Menschen ihre „unverbrüchliche Verbundenheit mit Partei und Staat“ bekundet hatten, um wenige Woche danach mental oder physisch die „Heimat“ zu verlassen. Und wenn Kubas Außenminster mit Aussagen wie  „Das sozialistische System stehe jedoch nicht zur Verhandlung. Trotz der Krise werde Kuba seinen sozialistischen Kurs fortsetzen“, zitiert wird, ist auch daran zu erinnern, dass noch 1989 die im Walde gepfiffene Parole der DDR-Oberen lautete „Der Sozialismus auf deutschem Boden steht nicht zur Disposition.“ 


„Cuba si – Yankee no!“ III – Ebenfalls 1963 erschien im Kinderbuchverlag Berlin Ludwig Renns „Camilo. Einer ungewöhnliche Geschichte aus Kuba, von einem tapferen kleinen Jungen und seinem Großvater“ (Illustrationen Kurt Zimmermann). Wie Camilo wollten wir auch sein. Das sowjetische „Timur und sein Trupp“ von Arkadi Gaidar hat uns ziemlich kalt gelassen. Foto: Sammlung W. Brauer.

Während letzteres in der DDR für alle erst nach Ende 1989 möglich war, sind in Kuba – wo dies seit 2013 erlaubt ist – seit 2021, dem Beginn der anhaltenden Krise, über eine Million Menschen (rund zehn Prozent der Bevölkerung) ausgewandert. Auch die im Land ständig sinkende Geburtenrate ist nicht eben ein Ausweis für Optimismus hinsichtlich einer besseren Zukunft. Unbestreitbar: Lateinamerikaner wie die Kubaner verfügen über ein sehr anderes Naturell als wir Mitteleuropäer. Aber Kubaner sind eben doch auch „nur“ Menschen, denen dauerhaft schon rein physiologisch das „Fressen“ nähersteht als die „Moral“, geschweige denn eine Ideologie; das dürfte als anthropologische Konstante gelten.

Es ist nun nicht so, dass mich solche Überlegungen bar jeder Empathie für die Kubaner überkommen; im Gegenteil auch deshalb, weil ich den dortigen Menschenschlag außerhalb des Tourismus habe kennen lernen können. Und ich wünsche ihnen nichts weniger als ein wirklich lebenswertes Vaterland.
Aber eben: Heimat oder Tod?… Warum nicht: Patria y vida?

In Brechts „Kaukasischem Kreidekreis“ jedenfalls erweist sich die Magd Grusche als die „wahrhaft Mütterliche“, die ihr Kind liebt und es lieber loslässt, als ihm per Gezerre mit der anhängigen Gouverneursfrau weh zu tun.

Aber das ist ja nur eine Parabel…

P.S. Es mag als unglücklicher und unzweckmäßiger Umstand gelten, die obigen Fragen just in einer Situation aufzuwerfen, da Kuba wieder unter einer direkten amerikanischen Bedrohung leidet. Dass das kubanische Volk dagegen Widerstand zu leisten bereit ist, darf als unzweifelhaft gelten. Ist das aber identisch mit einer Parteinahme für den Realkommunismus: Socialismo o muerte, ein ebenfalls gängiger Slogan?

Ich wage zu zweifeln…

Aber schon des sehr erwünschten Falles wegen, das Land könnte diese Bedrohung abwehren – macht das solche Überlegungen dann nicht umso mehr sinnvoll?

*

Nachbemerkung W. Brauer
Heinz Jakubowski hatte mir diesen Text schon vor einigen Wochen angeboten. Donald Trump hatte zu dieser Zeit Kuba zum Systemwechsel aufgefordert und mehr oder weniger unverhohlen mit einem militärischen Eingreifen gedroht. Damit wollte sich der Autor nicht gemein machen und hat den Text zurückgezogen. Da nun Kuba sich selbst anschickt, Gravierendes in seiner politökonomischen Struktur zu verändern, meint der Autor, seine Überlegungen sollten als Diskursangebot doch öffentlich gemacht werden.
Die von mir verantworteten Bildbeigaben sollen kein Widerspruch zu seinen Schlüssen sein – ich halte es aber für wichtig zu wissen, weshalb eine ganze Generation in der DDR Aufgewachsener (fast) bedingungslos an der Seite Kubas stand und teilweise immer noch steht. Es waren solche Kindheitserlebnisse… Und später dämmerte es uns, dass die Kubaner wohl „ihren“ Sozialismus, im Gegensatz zu „unserem“, nicht sowjetischen Bajonetten zu verdanken hatten.

4 Kommentare

  1. Ich denke, das ist eine sehr schwer einzuschätzende Thematik. Ich habe Fidel bewundert, zugegeben, aber umsomehr bewunderte ich die Standhaftigkeit der kleinen Insel, umgeben von „Feinden“. Sozusagen eine letzte Bastion.
    Ich war leider nie in Kuba und kann die Gesinnung des Volkes nicht einschätzen. Habe aber mehrere historische Aufzeichnungen gelesen, wie die Insel von den Spaniern ausgenutzt worden ist.
    Vielleicht wollen die Kubaner auch nicht ihr Gesicht verlieren?
    Was ist die Alternative? Entweder Untergang oder Untergang durch Resignation.
    Mich wundert es zudem, wie lange die Welt den Machenschaften z.B. der USA zuschaut. Erpressungen, Drohungen, Sanktionen, Kriege (auch unter falschem Vorwand).
    Ist es nicht das Ziel, dass wir alle einfach aufgeben sollen? Man nehme nur unsere Regierung als Beispiel. Ist es noch eine Politik für den, im Staat lebenden, Menschen? Was hat unser „Nachgeben“ gebracht? Wohin wird sich die Welt noch entwickeln? Welche Chancen hat der einzelne normale Staatenbürger?
    Man verzeihe mir eventuelle Fehlbezeichnungen, ich versuche nur, es vorsichtig zu betrachten.
    Dann stellt sich mir die Frage, wäre nicht ein vollkommener Regimechange angebracht? Eine Welt ohne Geld (Gier!), ohne Regierungen, die einem diktieren wollen, wer Feind, wer Freund, wann ich auf die Straße zu gehen habe, welche Fahne ich schwenken, welche Gesten oder Worte ich verwenden darf?
    Wer soll/kann den Wechsel vollziehen? Sind da nicht wir selbst gefragt?
    Allerdings sind wir doch schon so doktriniert, sich zu fügen, nachzugeben, sich in „Lager“ zu spalten.
    Am Ende meiner Betrachtungen sehe ich Kuba wie eine Parabel, wie einen Spiegel und mir wird angst und bange, auch vor meiner eigenen Ratlosigkeit.

  2. Einwurf zu Kuba

    2012 wurde ich gebeten, für eine theoretische Zeitschrift der KP Kubas einen Text über die polnische Rosa Luxemburg zu schreiben. Ich sagte zu, schrieb – im Geiste langjähriger und tiefer solidarischer Sympathie mit der Inselrepublik – einen Text, in dem ich vor allem auf Dinge hinzuweisen suchte, die mit dem völligen Zusammenbruch des sowjetisch geprägten Staatssozialismus in Europa 1989/1990 und dem Zusammenfallen der Sowjetunion 1991 zusammenhingen.

    Ich nahm also, wie man so sagt, kein Blatt vor den Mund, schrieb vor allem gegen die dümmliche Tendenz in der DDR-Rezeption, ausgerechnet aus Rosa Luxemburg eine Kommunistin im Sinne Lenins zu machen. Ich verwies auf den langen Streit zwischen Rosa Luxemburg und Lenin, der 1903 begann, auf ihre tiefe Überzeugung, dass ein Ausbrechen aus dem Kapitalismus unbedingt politische Freiheit erfordere, und zwar in jeder Phase und auch während der ohnehin kurz zu haltenden Diktatur des Proletariats. Ich wählte ziemlich präzise aus, was ich bezogen auf kubanische Verhältnisse und in Kenntnis des gescheiterten Sozialismus in Europa für interessant am Thema hielt. Ich machte auch keinen Bogen um „Solidarność“, verwies auf frappierende Ähnlichkeiten des Solidaritätsstreiks vom Sommer 1980 mit den Vorstellungen vom politischen Massenstreik Rosa Luxemburgs.

    Kurz, der Text hatte – aus meiner Sicht – nicht mit Reiz gegeizt, er sollte schließlich womöglich zur Diskussion anregen. Als ich schließlich den veröffentlichten (übersetzten) Text einsehen konnte, war mein Erstaunen groß, denn die kritischen Spitzen waren getilgt, waren gestrichen worden. Interessant daran, dass jene, die über den Text befanden, mit Sicherheit keinerlei Ahnung von der polnischen Rosa Luxemburg hatten, aber sie wussten es eben von vornherein besser. Und obendrein gleich stellvertretend für alle potentiellen Leser. Es ist nur eine ganz kleine und völlig unbedeutende Episode in dem großen Drama Kubas. Aber hierin verriet sich doch ein wenig, wie tief Kuba (zumindest damals 2012 oder 2013) noch immer in der fürchterlichen Sackgasse klemmte, die bereits Jahrzehnte zuvor zum kompletten Untergang des sowjetischen Staatssozialismus in Europa geführt hatte.

    Rosa Luxemburgo en Polonia. In: Marx Ahora. Revista Internacional [La Habana], Nr. 35/2013, S. 117–125 (traducido del alemán por Elio Goncáles Calero y Martina Harold).

  3. Es gibt jedoch darüber hinaus noch den berühmten Elefant im Raum – die Kommunistische Partei Kubas. Die verjüngte Staats- und Parteiführung unter Miguel Díaz-Canel und Manuel Marrero Cruz, die nach über sechs Jahrzehnten faktischer Alleinherrschaft der Partei installiert wurde, ist demonstrativ entschlossen, ihr Machtmonopol mit Härte zu verteidigen. Das Führungsduo hat weder die Legitimität der historischen Revolutionsführer noch deren Charisma. Hinter der Fassade der immer noch martialischen Revolutionsrhetorik und paternalistischen Fürsorgeversprechen hat sich längst in eine parasitäre Struktur gebildet, deren politisches und soziologisches Rückgrat nicht mehr bärtige comandantes und in Moskau geschulte Kader sind, sondern smarte Funktionäre aus Partei, Staatsjugend und Massenorganisationen, beamtete Technokraten und professionelle Militärs sowie Geheimdienstler. Sie haben die claims abgesteckt, über die sie als Ministeriale, Aufsichtsräte oder Lizenznehmer Teile der humanen und natürlichen Ressourcen des Landes abschöpfen; sei es im Tourismus, in der Erschließung und Ausbeutung der Öl- und Erzvorkommen, der Zigarrenindustrie oder über die Ausleihe qualifizierter Arbeitskräfte ins Ausland, darunter vor allem Ärzte und Sanitätspersonal.
    Kubas Planwirtschaft wird von großen Staatsunternehmen dominiert, während im chinesisch-vietnamesischen Marktsozialismus kleine und mittlere Unternehmen eine wichtige Rolle spielen. Der Anteil des Staatssektors am Bruttoinlandsprodukt lag 2019 in Vietnam bei 27 Prozent, in China bei 31 Prozent und in Kuba bei 91 Prozent. Eine gewisse marktwirtschaftliche Öffnung scheitert in Kuba also immer wieder; und zwar eben auch – siehe oben – am Widerstand der kommunistischen respektive wirtschaftlichen Bürokratie, die um ihre politische Kontrolle fürchtet und an den Apparaten des Sicherheitsbereiches, die bei einer Öffnung für andere Mitbewerber wenigstens in Teilen ihrer wirtschaftlichen Privilegien verlustig gingen. Diese Eliten haben etwas zu verlieren! Fehlende Innovationsanreize und eine unzureichende Kontrolle der Korruption werden von Kritikern desgleichen als Ursachen der Krise genannt.
    Kubas Reformspielräume sind nicht nur durch die fatalen, schädlichen Sanktionen, sondern auch aufgrund des allmächtigen bürokratischen Gesamtapparats minimal. Zugleich sind diese Sanktionen auch eine Ausflucht, ein Deckmantel für das Versagen ebendieser Bürokratie.
    PS: Diese Zeilen schreib ich zu einer öffentlichen Debatte zu Kuba im März 2025. Ich habe sie hier unverändert wiedergegeben, da sich erstens bislang – bis auf die letzten Manöver der kubanischen Führung – nichts Grundsätzliches geänder hat und zweitens sie mir auch zu obigem Text zu passen scheinen.
    Stephan Wohanka

    1. Danke an Stephan Wohanka. Ähnlilches habe ich auch gelesen. Kuba müsste doch durch einen offenen Markt wenigstens in der Lage sein, sich selbst ordentlich zu ernähren! Über Jahre stand Venezuela als Energiequelle zur Verfügung. Die Insellage ist doch geopolitisch auch von Vorteil. Wenn man 1 Million Menschen ausreisen lässt, sind darunter wahrscheinlich nicht die faulen. Kuba ist erschlafft. Nichts deutet auf Aufbruch hin.

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