
Anonym: Der Krieg (Flugbaltt aus dem Dreißigjährigen Krieg). Foto: Sammlung W. Brauer
von Matthias Claudius
s ist Krieg! s‘ ist Krieg! O Gottes Engel wehre,
Und rede du darein!
’s ist leider Krieg – und ich begehre
Nicht schuld daran zu sein!
Was sollt ich machen, wenn im Schlaf mit Grämen
Und blutig, bleich und blaß,
Die Geister der Erschlagenen zu mir kämen,
Und vor mir weinten, was?
Wenn wackre Männer, die sich Ehre suchten,
Verstümmelt und halbtot
Im Staub vor mir sich wälzten und mir fluchten
In ihrer Todesnot?
Wenn tausend, tausend Väter, Mütter, Bräute,
So glücklich vor dem Krieg,
Nun alle elend, alle arme Leute,
Wehklagten über mich?
Wenn Hunger, böse Seuch und ihre Nöten
Freund, Freund und Feind ins Grab
Versammelten, und mir zur Ehre krähten
Von einer Leich herab?
Was hülf mir Kron und Land und Gold und Ehre?
Die könnten mich nicht freun!
’s ist leider Krieg – und ich begehre
Nicht schuld daran zu sein!
Doch Friede schaffen, Fried‘ im Land‘ und Meere:
Das wäre Freude nun!
Ihr Fürsten, ach! wenn’s irgend möglich wäre!!
Was könnt Ihr Größers thun?
(1778)
Recht so, wenn ich schriebe, was ich tatsächlich denke, stünde spätestens eine Stunde später die politische Polizei vor meiner Tür. (Bademantel hängt stets bereit.)
Herr Nachtmann, was schrieben Sie denn? Meinen Sie wirklich angesichts dessen, was die Welt im Moment durchmacht an Krieg, Unterdrückung, Verfolgung Andersdenkender, hier „von politischer Polizei vor meiner Tür“ schwafeln zu müssen? Es kommt einer Verhöhnung der Opfer aller dieser Gräueltaten gleich.
Herrn Stephan Wohanka kann man nur zustimmen!
Lieber Herr Nachtmann,
im folgenden sind diverse Erscheinungsformen der Dummheit aufgelistet, suchen Sie sich eine aus.
MfG, Heinz W. Konrad
Hier sind verschiedene Erscheinungsformen von Dummheit – verstanden nicht als fehlende Intelligenz, sondern als Denk-, Wahrnehmungs- oder Verhaltensmuster:
Ignoranz – fehlendes Wissen bei gleichzeitiger Weigerung, dazuzulernen.
Selbstüberschätzung – die eigene Kompetenz wird überschätzt (bekannt als David Dunning-Justin Kruger-Effekt).
Gedankenlosigkeit – Handeln ohne Nachdenken über Folgen.
Sturheit – Festhalten an Meinungen trotz klarer Gegenargumente.
Mitläufertum – unkritisches Übernehmen von Mehrheitsmeinungen.
Vorurteilsdenken – vorschnelle Urteile ohne ausreichende Grundlage.
Realitätsverweigerung – Fakten werden ignoriert, weil sie unangenehm sind.
Kurzsichtigkeit – nur kurzfristige Vorteile sehen, langfristige Folgen ausblenden.
Fanatismus – kompromissloses Festhalten an Ideologien oder Überzeugungen.
Arroganz – andere abwerten und sich selbst für überlegen halten.
Bequemlichkeit des Denkens – komplexe Sachverhalte werden übermäßig vereinfacht.
Emotionale Blindheit – fehlendes Einfühlungsvermögen und mangelnde Selbstreflexion.
Diese 12 Varianten im Kommentar von Heinz W.K. hätte ich gern selbst aufgeschrieben. Öfter geht es mir bei Begegnungen so, dass ich überlege, welche Variante könnte mir da gerade vorrangig begegnet sein. Dabei liegen zwei Stränge oft nebeneinander, sich quer durchziehend: einfachste Reduzierung (die sich negativ oder positiv gern auf PERSONAL bezieht, hier z.T. Pkt.5+10) bei maximaler Emotion (Empörtheit, hier z.T. Pkt.12). Die Punkte 2 und 10 sollte ich dabei für mich selbst, ähnlich einem Schleusenwehr, im Blick behalten.
Lieber Herr Doese,
ich empfehle zwecks Vertiefung dieses ungemein relevanten Themas André Glucksmanns (eher schmales) Buch „Die Macht der Dummheit“.
Auch Musils „Über die Dummheit wäre zu empfehlen.