von Heinz Jakubowski
Oh doch, Biedermann hatte nach jenem Großfeuer, das seine brandschatzenden Besucher ausgerechnet in seinem Haus vorbereitet hatten, sehr wohl gelernt, dass Vertrauensseligkeit falsch ist, dass man vielmehr kritisch hinterfragen müsse, was Menschen um einen herum an Verdächtigem oder gar Bösem tun und bezwecken. Und dass Biedermann das Verbrechen jener Fremden verurteilte – entschieden verurteilte! – die er trotz ursprünglicher Vorbehalte mit Verständnis und dann gar wachsender Empathie in sein Haus aufgenommen hatte, sprach ihm trotz alledem unvoreingenommen aus dem Herzen.
In einer Hinsicht indes verweigerte sich Biedermann einer Rundum-Geißelung der Täter. Gewiß, man mißbraucht keine Gastfreundschaft, das gehört sich nicht. Und ja: Man sprengt nicht die Häuser anderer Menschen in die Luft, samt Gefahr für deren Leben, daran gab es nichts zu deuteln.
Eines hatte Biedermann, anders als die Brachialverurteiler, aus dieser bösen Episode seines Lebens aber auch gelernt: Dass nichts, aber auch gar nichts aus dem Ungefähren heraus geschieht, sondern alles eine Vorgeschichte hat, aus der man zumindest genauso lernen müsse wie aus der Tat selbst.
Denn waren Schmitz und Eisenring – wiewohl unverhandelbar als Täter zu brandmarken – denn von Geburt an schon jene Täter, zu denen sie geworden waren? Hatten sie nicht an Biedermanns Tafel von ihrer schweren Kindheit gesprochen und von der traumatisierenden Jugend? Konnten sie denn ursächlich etwas dafür, was sie dann dergestalt geprägt hat, dass sie Verbrecher wurden?
Hatten nicht auch, oder gar zuvorderst, all jene gesellschaftlichen Kräfte das Ihre getan, das ihnen eine gerechte Chance für ein gutbürgerliches, von Verbrechen freies Leben verbaut hatte?
Müsse man nicht viel tiefer graben in den Zusammenhängen, bevor man Verbrecher einseitig und final als solche geißelt? Ist nicht jener Kapitalismus der Urgrund alles Bösen, der den Menschen zum Wolf unter Wölfen, oder eben auch Brandstifter, macht? Der sie – wissent- und willentlich – auf dieses verhängnisvolle Gleis ihres Lebenslaufs geschoben und durch die Umstände der Klassenungerechtigkeit stets verfestigt, so dass Schmitt und Eisenring gar nichts anderes übrig blieb, als sich aus dieser gesellschaftlichen Umklammerung mit Gewalt zu befreien?
Wiewohl Biedermann in der Sprache der Philosophie alles andere als bewandert war, diese Dialektik hatte er nun, denn doch begriffen und verinnerlicht.
Und obzwar er dafür außer bei seinen engen und langjährigen Freunden kein Verständnis fand, wusste er, dass er auch in einem möglichen weiteren Fall Besucher wie die Brandstifter nicht einfach ablehnen und das Haus verweigern, sondern sich eben jenen Hintergründen ihrer Biografien vergewissern und sie dann mit nachsichtiger Beharrlichkeit auf den rechten Weg zurückführen würde – eine neuerliche Hüsung, diesmal aber dialektisch ausgeleuchtet und grundiert, eingeschlossen. Selbst unmittelbar vor und selbst während eines dergestalt drohenden Terroraktes müsse es um befriedende Gespräche und Verhandlungen gehen, Zugeständnisse, nun ja, inklusive; die Komplexität menschlicher Grundierungen und Beziehungen mache Reaktionen wie die Aufrüstung zu Scheinlösungen, die dem Frieden jedenfalls nicht dienlich seien.
Dass Biedermann seinen Dachboden massiv mit der besten verfügbaren Brandschutztechnik ausgerüstet haben soll, dürfte einer mainstreamigen Fake-news-Quelle entstammen.
(3. Juli 2024)
Biedermanns Erwachen ? Oder noch immer nicht…
„Das Territorium der ehemaligen Ukrainischen Sowjetrepublik nimmt an diesen Spielen der Erwachsenen nicht teil, es ist nur eine unter den Tisch geworfene Karte. Heute wird sein Raum von echten Staatsmännern aufgeteilt.“
Aus: https://rtnewsde.online/international/237973-normalisierung-zwischen-washington-und-moskau/