von Wolfgang Brauer Jedes Kind weiß, dass Wölfe gerne Großmütter fressen. Zur Not jedenfalls. Viel lieber jedoch fressen sie kleine Mädchen. Oder Geißlein. Aber wo gibt es die schon noch. Gustave Doré (1832-1883): Illustration zu Charles Perrault „Rotkäppchen“ (1862). Foto: gemeinfrei / Sammlung W. Brauer Ich weiß nicht, ob vor wenigen Tagen in Altona, das… Von Wölfen und wilden Schweinen weiterlesen
Monat: März 2026
Von der Notwendigkeit des Erinnerns
von Axel Matthies Ich bin, soweit ich mich erinnere, Hans Kaufmann nie persönlich begegnet. Ich habe ihn in keinem Filmbeitrag gesehen, seine Stimme nie gehört, und vielleicht nicht einmal ein Foto betrachtet. Selbst heute, wo man im Internet nahezu alles findet, ist sein Name selten aufzuspüren. Ich habe ihn in den 1970er Jahren entdeckt; das… Von der Notwendigkeit des Erinnerns weiterlesen
Goethe – Heine – Brecht – Braun. Hans Kaufmann zum 100. Geburtstag
von Ulrich Kaufmann Als Sohn eines Dienstmädchens und eines Textilzeichners wurde Hans Kaufmann am letzten Märztag des Jahres 1926 in Berlin geboren. Er stammt aus einer sozialdemokratisch geprägten, kulturinteressierten Familie. Die Eltern standen im Kampf gegen Hitler. Vater Georg erlebte noch den Redner Karl Liebknecht, er selbst nahm 1946 am Vereinigungsparteitag teil. Seine Ehefrau Minna… Goethe – Heine – Brecht – Braun. Hans Kaufmann zum 100. Geburtstag weiterlesen
„Was passiert mit uns?“
von Wolfgang Brauer Am 7. Oktober 2023 überfielen Terror-Kommandos aus dem Gaza-Streifen den Süden Israels zu Lande, zu Wasser und aus der Luft. Dass sie Israel militärisch nicht niederringen können, war ihnen sicher bewusst. Sie hatten aber den unbedingten Willen zu töten – möglichst barbarisch und bei laufenden Kameras. Offensichtlich diente dieser Angriff – neben… „Was passiert mit uns?“ weiterlesen
Dummheiten gesucht
Am beziehungsreichen 18. März – 2026 natürlich! – verschickte das Gleimhaus Halberstadt eine Pressemeldung, mit der es um Hilfe bei der Suche nach Beispielen „für Dummheiten unserer heutigen Zeit“ bittet. Ich denke, dem Halberstädter „Museum der deutschen Aufklärung“ kann und sollte geholfen werden. Gerne reiche ich den Aufruf ungekürzt und unverändert weiter. Daniel Chodowiecki: Die… Dummheiten gesucht weiterlesen
Diktatorenethos
Bereits 1936 verfaßte Erich Kästner das Stück „Die Schule der Diktaturen“, dessen Text aus schlechtem Grunde erst 20 Jahre später veröffentlicht werden konnte. Kästner selbst sprach von „chronischen Aktualitäten“. Assoziationen zu Heutigem bleiben dem Leser überlassen. Die Überschrift stammt von mir. Die nachstehende Leseprobe ist auch als Leseempfehlung zu verstehen. Der Band ist im Buchhandel… Diktatorenethos weiterlesen
James Cook im Zwielicht
von Wolfgang Brauer Vor mir liegt eine Karte des Pazifischen Ozeans, der größten Wasserfläche unseres Planeten. Er deckt rund 35 % der gesamten Erdoberfläche ab. Das sind Ausmaße, die eigentlich das menschliche Fassungsvermögen übersteigen. Auch mein Atlas scheitert an der präzisen Darstellung dieser Dimensionen. Die Karten wurden immerhin in Australien gezeichnet, mithin von Geografen, die… James Cook im Zwielicht weiterlesen
Fantasievoll und geistreich: „Frau Luna“ und „Carmen“ – Fund-Stücke im Berliner Bühnenbetrieb (19)
von Reinhard Wengierek Entertainment im Frühling mit „Frau Luna“ im Tipi am Kanzleramt und einer ungewöhnlichen „Carmen“-Adaption im Gorki Theater. Zwei Wiederaufnahmen, weil beide Sachen so fantasievoll, geistreich und komödiantisch sind. Bitte eilends um die Tickets kümmern; zumal die „Carmen“ zum Ende der Intendanz Shermin Langhoff im Frühsommer ausgetanzt haben dürfte. Leider. EINS: Tipi am… Fantasievoll und geistreich: „Frau Luna“ und „Carmen“ – Fund-Stücke im Berliner Bühnenbetrieb (19) weiterlesen
Der große Häwelmann
von Horst Jakob Es war einmal ein großer Junge, man könnte auch Mann sagen. (Gender-Anmerkung: Wahlweise wäre natürlich auch die Kombination Mädchen oder Frau statthaft.) Nicht so sehr aus nächtlicher Langeweile, mehr aus einem unstillbaren Trieb heraus, die Welt zu ergründen und sie vor allem zu verbessern, erwies Häwelmann der Menschheit durch entschlossene Forderungen an… Der große Häwelmann weiterlesen
Von Kinderzeichnungen und Dämonen
von Wolfgang Brauer Es war einmal ein kleiner Junge, der auf dem Rummelplatz nach schwindelerregenden Runden nicht schnell genug vom Kettenkarussel wegkam. Das Karussel begann sich wieder zu drehen, und den Knaben erwischte ein Sitz am Kopf. Das taumelige Kind kam in das Krankenhaus der Stadt. Es hatte Glück, nichts Schlimmes war passiert. Aber es… Von Kinderzeichnungen und Dämonen weiterlesen
Deutsche Zustände (5)
Deutsche haben die Schrift erfunden, die deutsche Zukunft am Wasser, Wahlwiederholungen, der brandenburgische Weg zur Kriminalitätsbekämpfung und eine Prognose– aufgezeichnet von Wolfgang Brauer im März 2026. Früher galt Deutschland als Vorbild für Effizienz, Stabilität und wirtschaftlichen Erfolg. Heute nehmen viele Besucher stärker Probleme wahr – etwa Streiks, politische Fragmentierung oder Infrastrukturprobleme.(Cui Honglian, Außenpolitikfachmann aus Beijingim… Deutsche Zustände (5) weiterlesen
„Man konnte doch nicht anders!“ -Fund-Stücke im Berliner Bühnenbetrieb (18)
von Reinhard Wengierek Mittäter oder Mittläufer im Nationalsozialismus – die Grenzen sind fließend. Die Schuld bleibt. Dokumentarisch grundiert befassen sich mit diesem Thema zwei ganz unterschiedliche Theaterstücke. Das so innovative Kleine Theater am Südwestkorso zeigt die Geschichte einer Freundschaft, die am Opportunismus des einen zerbricht und bittere Folgen zeitigt („Empfänger unbekannt“); im Schlossparktheater erzählt Brigitte… „Man konnte doch nicht anders!“ -Fund-Stücke im Berliner Bühnenbetrieb (18) weiterlesen
Sigrid Damm schreibt über „Künstler meines Lebens“
„Die Empfindlichkeit uff die Worte“(Erwin Strittmatter) von Ulrich Kaufmann Sechs der Porträtierten sind Frauen. Die kunstsinnige und belesene Rosa Luxemburg ordnet Damm stillschweigend den Kunstschaffenden zu. Freudig überrascht wird der Leser, dass die vormalige Germanistin das Buch mit ihren literarischen Favoriten Iwan S. Turgenjew und Lew N. Tolstoj beginnt und abschließt. Die großen Russen geben… Sigrid Damm schreibt über „Künstler meines Lebens“ weiterlesen
Ein Schlussakkord: Womacka in Marzahn
von Wolfgang Brauer Berlin-Marzahn als kunstfreundlicher Ort? Vielen wird schon diese Frage als Unding an sich erscheinen. Dabei legte eine Arbeitsgruppe des Verbandes bildender Künstler der DDR noch vor dem Beginn der ersten Tiefbauarbeiten (3. März 1975 an der heutigen Allee der Kosmonauten in Höhe des heutigen S-Bahnhofes Springpfuhl) am 10. Februar 1975 eine „Rahmenkonzeption… Ein Schlussakkord: Womacka in Marzahn weiterlesen
Deutscher Selbstbegriff heute
von Stephan Wohanka Man muß wissen, daß der Zustand eines Volkesvon dem Begriff abhängt, den es von sich hat.Johann Gottlieb Fichte Fichte betont in seinen „Reden an die deutsche Nation“ (1807/08) den geistigen Selbstbegriff eines Volkes als entscheidenden Faktor für dessen politische, kulturelle und moralische Verfassung. Wie steht es um Selbstbegriff des deutschen Volkes heute?… Deutscher Selbstbegriff heute weiterlesen